Zwischenjahr nach der Mittelschule

Klicke unten auf ein Thema für mehr Infos:

Militär

Rekrutenschule

Die Schweizer Armee startet zweimal pro Jahr mit einer Rekrutenschule, Mitte Januar und Ende Juni. Leider ist es aufgrund der Rekrutenschuldauer (18 Wochen, Spezialdienste sogar länger) und dem üblichen Semesterstart (September beziehungsweise Februar) kaum möglich die RS zwischen Matura und Studienbeginn zu absolvieren. Man würde zuviel Stoff und Informationen der ersten Wochen an der Hochschule verpassen. Hinzu kommt, dass man allenfalls «weiter-machen» will oder muss. Es kann also sein, dass man bis zu einem Jahr «ein Grüner» bleibt und das Studium länger auf Eis gelegt werden muss als geplant. Damit nun aber das Studium nicht völlig hintenan gestellt werden muss, gibt es die Möglichkeit einer sogenannten Fraktionierung des Militär-dienstes. Jeder Rekrut hat in begründeten Fällen die Option, die RS einmal zu unterbrechen und sein Studium zu beginnen. Allerdings müssen die fehlenden Wochen später nachgeholt werden.

Wer sich fürs «Weitermachen» entscheidet, hat die Möglichkeit, während der Ausbildung zum Unteroffizier einen Unterbruch einzulegen und zwei, wenn man sich entschieden hat, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Die Armee räumt aber ein, dass es in Bezug auf die Fraktionierung kein Modell gibt, das für alle Hochschulausbildungen Gültigkeit hat. Vielfach muss eine individuelle Lösung mit der Universität oder Fachhochschule gefunden werden. Infos zur Dienstfraktionierung findet ihr auf der Internetseite des VBS. Geht aber nicht direkt auf diese Website, weil die Suchmaschine dort viel zu viele Daten ausspuckt. Gebt vielmehr bei google.ch die Suchwörter «Rekrutenschule» und «Fraktionierung» ein.

Insgesamt müssen folgende Militär-Diensttage geleistet werden: Einfache Soldaten 245 Diensttage, Unteroffiziere 440 bis 450, Höhere Unteroffiziere (Hauptfeldweibel, Fourier) 650, Subalternoffiziere (Leutnant, Oberleutnant) 680 Tage.

Eine prüfenswerte Variante der Dienstabsolvierung stellt die sogenannte Durchdiener-RS dar. Dieses Modell bietet im Gegensatz zum «WK-Modell» (18 Wochen RS und dann jährlich ein 3-Wochen-Wiederholungskurs/WK) die Möglichkeit die gesamte Dienstpflicht in einem Stück zu absolvieren. Danach wird man der Reserve zugeteilt und hat das Militär bis auf die jährlichen obligatorischen Schiessübungen abgeschlossen. Zudem ist dies eine gute Möglichkeit, um Geld für sein Studium auf die Seite zu bringen. Die aktuellen Minimalver-dienste je nach Grad sind auf www.durchdiener.ch ersichtlich. Sie bewegen sich zwischen 20000 Franken (Mannschaftsgrad) und 65000 Franken (Zugführer). Nur 15 Prozent eines Jahrgangs haben die Möglichkeit, den Militärdienst als Durchdiener zu absolvieren.

Für angehende Ärzte bietet die Armee folgende spezielle Ausbildungsschritte zum Militärarzt an: Eine verkürzte Rekrutenschule (6 Wochen), die Militärarzt-Unteroffiziersschule (6 Wochen) und die Militärarzt-Offiziersschule (8 Wochen). Der Praktische Dienst (12 Wochen) wird nach bestanderer eidgenössischer Schlussprüfung als Truppenarzt  geleistet. Die Rekrutenschule kann in jeder Funktion oder Truppen-gattung absolviert werden. Idealerweise aber bei den Sanitätstruppen. Infos dazu gibt es auf der Seite der Unteroffiziers- und Offziersschule für Ärzte der Armee (Mil Az UOS / OS 41). Am besten «Militärarzt» und «Armee» googeln.  

Die Armee hat mit immer mehr Hochschulen und Universitäten – aktuell rund 20 – Vereinbarungen, dass Kaderausbildungen als ECTS-Punkte ans Studium angerechnet werden können. Um auf die richtige Seite mit Informationen und einer Liste der Hochschulen zu kommen, Folgendes googeln: Armee/Anrechenbarkeiten/Hochschulen. 


«Weitermachen»

Nach der Rekrutenschule können an einer weiteren Militär-laufbahn Interessierte den Ausbildungsweg zum Unteroffizier – und anschliessend zum Offizier oder Höheren Unteroffizier – einschlagen. Der Lohn dieser Anwärter steigt dann sogleich markant mit Soldzulagen (23 Franken pro Tag) auf etwa 4000 Franken monatlich. Nicht zu vergessen ist, dass gleichzeitig die Kosten für Essen, Unterkunft und Versicherung (samt Krankenkasse) durch die Armee gedeckt werden und die Ausgaben sich während dieser Zeit somit auf ein Minimum beschränken.  Wer sich für eine Laufbahn als Unteroffizier, höherer Unteroffizier oder Offizier bei der Armee entscheidet, erhält seit kurzem zudem pro erreichter Gradstufe einen Betrag, der für eine zivile Ausbildung genutzt werden kann – also beispielsweise für ein Studium. Die Beträge liegen zwischen 3000 und 11000 Franken («Ausbildungsgutschrift» und «Militär» googeln).

Was hier geschrieben steht, gilt natürlich nicht nur für die Herren der Schöpfung, sondern auch für die Damen.

Militär als Beruf

Die Schweizer Armee ist eine Milizarmee. Allerdings bietet sie auch mehreren Tausend Berufssoldaten einen sicheren und abwechslungsreichen Arbeitsplatz. Besonders spannend für junge Menschen mit abgeschlossener Matura ist der Weg zum Berufsoffizier, der über ein Studium an der ETH führt. Weitere Informationen dazu findet ihr unter www.armee.ch/berufsmilitaer.


Quelle: Magazin "Primus – Überleben mit der Matura", Ausgabe 2020

Interview: «Frauen in der Armee»


Caroline Weibel

2019 waren 1348 Frauen in der Armee eingeteilt. Dies entspricht knapp 1 Prozent des Gesamtbestandes der Schweizer Armee. Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür Militärdienst zu leisten. So starteten mit 171 mehr junge Frauen als je zuvor im Januar 2020 in eine Rekrutenschule. Zum Thema Frauen in der Armee haben wir Caroline Weibel vom Verein «Frauen im TAZ» einige Fragen gestellt.

 
Warum hast du dich dafür entschieden, ins Militär zu gehen?
Kam in meinem Freundeskreis das Thema Militär zur Sprache, wusste jeder sofort eine Geschichte zu erzählen. Die unglaublichen «Räubergeschichten», die Uniformität, die Kameradschaft, die Disziplin. Ich wollte verstehen, worüber meine Kollegen sprachen, und was es bedeutet, für 18 Wochen einem strikten Alltag zu folgen, meine Grenzen kennenzulernen und zu erweitern. Der «Gleichberechtigungsgedanke» dahinter war auch nicht ganz unbedeutend. Die meisten meiner Bekannten meinten, das Militär wäre nicht wirklich der richtige Ort für eine Frau. Das hat meinen Stolz und Ehrgeiz auf den Plan gerufen. Viele Recherchen und einige Zwischenschritte später war meine Alltagsbekleidung der Tarn­anzug.

Was gefällt dir besonders am Militär?
Herkunft, Hautfarbe, Religion, Bildungsstand, Geschlecht – das alles spielt in der Rekrutenschule keine Rolle mehr. Alle haben dieselben Rechte, Pflichten und Möglichkeiten. Man lernt so viele Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft kennen, Menschen mit denen man im zivilen Leben niemals in Kontakt gekommen wäre. Daraus ergeben sich Freundschaften und Begegnungen, die einen komplett neuen Blickwinkel offenbaren.
 
Wie ist das konkrete Vorgehen, wenn ich als Frau die RS absolvieren möchte?
Informationen zum Militärdienst gibt es zum einen beim Amt für Militär des eigenen Kantons oder auf der Website www.armee.ch. Dort kann man sich auch für den Orientierungstag – OT – oder die Rekrutierung anmelden. Einzelne Kantone bieten mittlerweile sogar Orientierungstage speziell für Frauen an. Zum Orientierungstag kann man ab 16 oder 17 Jahren gehen, die Rekrutierung ist ab dem 18. Lebensjahr möglich. Die Teilnahme an diesen beiden Angeboten ist für Frauen freiwillig und unverbindlich. Während ein Eintritt in die Armee auch ohne das Absolvieren eines OTs möglich ist, kommt man aber um die Rekrutierung nicht herum. Dort erhält man nämlich mittels Unterschrift – und damit verpflichtender Zusage zum Dienst – seine Zuteilung in eine passende Funktion.

Du hast nach der Rekrutenschule auch noch eine militärische Kaderausbildung gemacht. Was muss man sich darunter vorstellen – und warum hast du diesen Weg gewählt?
Die Kaderausbildung der Armee kann man sich wie eine Weiterbildung vorstellen, durch deren Bestehen man neue Kompetenzen, Pflichten und Aufgaben erhält. Ich arbeite gerne mit jungen Menschen zusammen, und der Militäralltag gefiel mir, also war die Entscheidung, mich für eine weitere RS als Kader zu verpflichten sehr einfach für mich. Ausserdem bietet die Armee hervorragende Anreize. Abhängig von Dienstgrad und Ausbildungsdauer wird eine finanzielle Ausbildungsgutschrift gewährt. Wer sich für eine Laufbahn als Unteroffizier, höherer Unteroffizier oder Offizier entscheidet, erhält pro erreichte Gradstufe einen Betrag, den man für eine zivile Aus- oder Weiterbildung verwenden kann. Dazu kommen die ECTS-Punkte, die man sich an ein Studium anrechnen lassen kann.

Gibt es Truppengattungen, die bei weiblichen Armeeangehörigen besonders beliebt sind?
Den höchsten Frauenanteil weisen die Sanitäter auf. Weitere Funktionen, die bei Frauen beliebt sind, sind zum Beispiel «Hunde­führer» oder «Trainsoldat». Man findet weibliche Angehörige der Armee aber auch breitgefächert in allen anderen Truppengattungen, sei es bei der Logistik, den Panzertruppen oder wie in meinem Fall, bei der Infanterie. Grundsätzlich gilt: Allen stehen alle Türen offen, solange man die Anforderungen erfüllt.

Welche Truppengattung kannst du empfehlen, falls man Militärdienst machen möchte, aber nicht genau weiss, wo?
Ich würde grundsätzlich empfehlen das Ausschlussverfahren anzuwenden, und zu schauen, was am Schluss noch übrig bleibt. Die Armee bietet ein sehr grosses Spektrum an Möglichkeiten. Bei der Rekrutierung wird man aufgefordert, eine Favoritenliste an Funktionen zu erstellen, dies empfehle ich vorgängig bereits für sich selbst zu überlegen. Dinge wie: Möchte ich sportlich gefordert werden?, Will ich meine Funktion draussen ausüben?, Will ich im technischen Bereich arbeiten?, könnten bei der Entscheidung helfen.

Hast du einige Tipps wie man sich auf die RS vorbereiten könnte?
Mit der «Ready» App der Schweizer Armee habt ihr eine sehr gute physische Vorbereitung gewährleistet. Diese ist wichtig. Die Tage im Militär sind lange, wenige Pausen, meistens weniger Schlaf als im zivilen Alltag. Ist man körperlich fit, bestreitet man den Alltag viel leichter, und der Mangel an Schlaf und Freizeit wird weniger schnell zur Last. Im Internet findet man zusätzlich Foren oder Beiträge, wie man sich am Besten vorbereitet. Das Gespräch mit einer Frau bei der Armee zu suchen, erachte ich ausserdem ebenfalls als gute Idee. Falls ihr niemanden kennt: «Frauen im TAZ» ist ein Verein von Frauen in der Armee, für Frauen in der Armee. Hier findest du immer jemanden, der dich auf deinem Weg unterstützt und begleitet.

Zum Schluss – ganz ehrlich: Kannst du den Militärdienst weiterempfehlen?
Ganz ehrlich: JA! Ich verbrachte 1,5 Jahre an einer Rekrutenschule und erachte diese Zeit als die anstrengendste und gleichzeitig lehrreichste Zeit meines Lebens. ABER: Diese Entscheidung sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Man muss sich genau überlegen, ob es das Richtige ist. Informiert euch ausführlich, sucht das Gespräch zu Angehörigen der Armee, und wenn ihr euch sicher seid: Go for it!
 
Quelle: Magazin "Primus – Überleben mit der Matura", Ausgabe 2020
Interview: «Ein Beruf in der Armee»


Berufsunteroffizier Chantal Sempach

hat sich nach ihrer Lehre als Damenschneiderin für die Armee entschieden. Nach der Rekruten­schule blieb sie beim Militär und absolvierte die Berufsunteroffiziersschule in Herisau. Heute arbeitet sie als Ausbilderin bei den Panzertruppen in Thun.

 
Was machen Berufsunteroffiziere? 
Berufsunteroffiziere sind als Ausbilder in Rekruten- und Kaderschulen tätig. Heute habe ich zum Beispiel eine Lektion zum Thema Zwangsmittel durchgeführt und danach einen Orientierungslauf der Panzergrenadiere geleitet. Am Abend werde ich noch einen Theorietest der künftigen Gruppenführer beaufsichtigen. Meine Arbeit ist sehr vielfältig, jeder Tag sieht anders aus. Ich arbeite viel draussen, bei jedem Wetter, egal ob es regnet, schneit oder 35 Grad heiss ist. 
 
Wie werde ich Berufsunteroffizier? 
Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss oder der Matura muss man zuerst Militärdienst leisten. An die zweijährige Ausbildung an der Berufsunteroffiziersschule der Armee wird zugelassen, wer den Grad eines höheren Unteroffiziers erreicht hat und gute Qualifikationen aus den bisherigen Militärdienstleistungen mitbringt. Weitere Voraussetzungen sind gute körperliche Leistungs­fähigkeit, Kenntnisse einer zweiten Landessprache und der Führerausweis Kategorie B. Diese Laufbahn steht sowohl Männern als auch Frauen offen. 

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um als Berufsunteroffizier erfolgreich zu sein? 
Man muss belastbar, zuverlässig und flexibel sein. Wichtig ist auch – gerade als Frau – ein gesundes Selbstvertrauen.  
 
Warum die Armee als Arbeitgeberin?
Die Armee bietet eine sehr gute Ausbildung sowie ein gros­ses Weiterbildungsangebot. Als Berufsmilitär habe ich einen sicheren Job mit guten Anstellungsbedingungen.
 
Quelle: Magazin "Primus – Überleben mit der Matura", Ausgabe 2017
Statistik: Tauglichkeit für den Militärdienst

Die Tauglichkeit für den Militärdienst in der Schweiz steigt in den letzten Jahren wieder an. Die Liste zeigt den Prozentsatz der Stellungspflichtigen, die als militärdiensttauglich beurteilt wurden:

2020: 73 %
2019: 71 %
2018: 69 %
2017: 68 %
2016: 66 %
2015: 64 %
2014: 62 %
2013: 63 %
2012: 63 %
2011: 65 %
2010: 65 %
2005: 61 %
1992: 78 %
1982: 84 %

Quelle: Magazin "Daher! – Endspurt", Ausgabe 2021
Zivildienst
Der Zivildienst ermöglicht es Wehrpflichtigen, ihre Dienstpflicht im Rahmen von Zivildiensteinsätzen zu erfüllen. Um ihren Konflikt mit dem Gewissen zu beweisen, müssen Zivildienstleistende 1.5 Mal länger Dienst leisten als im Militärdienst (Tat­beweis). Der Zivildienst ist seit 1992 in der Bundesverfassung verankert und hat gemäss Zivildienstgesetz den Zweck, Dienstleistungen im öffentlichen Interesse zu erbringen, wo Ressourcen für die Erfüllung wichtiger Aufgaben der Gesellschaft fehlen oder nicht ausreichen. Weil der Zivildienst auch in Katastrophenfällen oder Notlagen mithilft, ist er neben der Armee und dem Bevölkerungsschutz als sicherheitspolitisches Instrument des Bundes anerkannt. Der Zivildienst hat sich seit seiner Einführung 1996 zu einem festen Bestandteil des Dienstpflichtsystems entwickelt und ist heute fest in der Gesellschaft verankert. Die Abschaffung der Gewissensprüfung im Jahr 2009 und die Einführung des Tatbeweises gewährleisten, dass Dienstpflichtige ihren Gewissenskonflikt kundtun und Zivildienst leisten können. Damit leistet der Zivildienst einen Beitrag zur Wehrgerechtigkeit. Einsätze können selbständig aus einem grossen Angebot ausgesucht und vereinbart werden. Schwerpunkte bilden das Gesundheits- und Sozialwesen, die Land- und Forstwirtschaft sowie der Umweltschutzbereich. Sogar Auslandseinsätze sind möglich, beispielsweise im Rahmen der Entwicklungshilfe. 2019 wurden rund 1'600'000 Arbeits­tage im Zivildienst geleistet. Dies ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2018 und entpricht knapp 30 Prozent der 5'400'000 Diensttage, die in der Armee 2019 erbracht wurden. Grösste Bereiche, in denen Zivildienst geleistet wurde, waren mit 54 Prozent das Sozialwesen, mit 16 Prozent das Gesundheitswesen und mit 10 Prozent der Umwelt- und Naturschutz. 2019 standen in der Schweiz rund 5'000 Betriebe zur Verfügung, welche die Möglichkeit zum Zivildienst bieten.

Links:
 
Quelle: Magazin "Primus – Lehrabschluss", Ausgabe 2020
Zivilschutz
Wer militärdienstuntauglich ist, muss grundsätzlich im Zivilschutz Dienst leisten. Dessen Aufgaben im Katastrophenfall und bei Notlagen umfassen Schutz, Betreuung und Unterstützung der Bevölkerung. Angehörige des Zivil-schutzes kümmern sich aber auch um Kulturgüter und setzen Infrastrukturen wieder instand. Voraussetzung für den Dienst im Zivilschutz ist, dass nicht mehr als 50 Tage Militärdienst geleistet worden sind. Die Grundausbildung besteht aus zwei aufein-anderfolgenden Ausbildungsmodulen: aus einer allgemeinen Grundausbildung (AGA) und einer funktionsbezogenen Grundausbildung (FGA). Sie dauert je nach Kanton insgesamt 10 bis 19 Tage. In der FGA wird man in einem der folgenden Bereiche ausgebildet: Stabsassistent, Betreuer, Pionier, Anlagenwart, Materialwart, Koch. Danach muss der Zivilschützer jedes Jahr Wiederholungskurse zwischen zwei und sieben Tagen ableisten. Wer im Zivilschutz eine Kaderfunktion übernehmen möchte, muss dafür einen Kurs von 5 bis 12 Tagen zum Gruppenführer, Zugführer oder zum Chef eines Sachbereichs absolvieren. Die Kaderausbildung zum Zivilschutzkommandanten dauert 15 bis 24 Tage, von denen 5 bis 12 Tage im Kanton absolviert werden können; zu 10 bis 12 Tagen bietet der Bund auf. Anschliessend kann man zu den üblichen 2 bis 7 Tagen WK zu bis zu 12 (Gruppenführer, Zugführer) oder bis zu 19 (Kommandant) zusätzlichen Tagen pro Jahr aufgeboten werden. Die Zuteilung erfolgt anlässlich der Rekrutierung. Übrigens müssen Schweizer Bürger, die keinen Militärdienst leisten, eine Wehrpflichtersatzabgabe bezahlen. Für jeden im Zivilschutz geleisteten Diensttag ermässigt sich die Wehrpflichtersatzabgabe um vier Prozent. 

Link:
 
Quelle: Magazin "Primus – Lehrabschluss", Ausgabe 2020
Work and Travel
Der Schwerpunkt von «Work and Travel»-Programmen liegt beim Jobben und Reisen im Ausland – neue Leute kennenlernen, interessante Erfahrungen sammeln, in die Berufswelt hineinschnuppern und sich ein Stück Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erarbeiten. Durch kurz- und mittelfristig organisierte Gelegenheits- und Aushilfsjobs in fremden Ländern finanziert man sich dabei seine Reise. Diese Jobs sind vor allem in der Gastronomie, im Verkauf, in der Landwirtschaft oder im Eventbereich angesiedelt. Die Unterkünfte können dabei von ganz unterschiedlicher Natur sein. Ist man länger irgendwo angestellt, macht es Sinn, bei einer Familie zu wohnen. So bekommt man einen fundierten Einblick in den regionalen Lifestyle. Wir empfehlen euch, euer «Work and Travel»-Programm über eine Agentur zu buchen; so wird euch bei den Vorbereitungen geholfen und ihr habt einen Ansprechpartner vor Ort, der euch bei Komplikationen unterstützt. Zudem kann man das Ganze auch mit einer vorgängigen Sprachschule kombinieren. Viele Sprachreisenanbieter sind auf «Work and Travel»-Programme spezialisiert.

Links:
 
Quelle: Magazin "Primus – Lehrabschluss", Ausgabe 2023

Expertinneninterview «Work and Travel»

Rina Specker von wayers

startete mit 18 Jahren eine lebensverändernde Work and Travel Reise durch Australien. Nach vielen weiteren Reisen und einer Ausbildung im Tourismusbereich unterstützt sie nun bei wayers junge Menschen bei der Planung ihrer Traumreisen.

 
Rina, was ist «Work and Travel»?
Einfach gesagt: ein Auslandsabenteuer mit Arbeitserfahrung! Wir von wayers sehen es als die beste Art des Reisens, um Land und Leute kennenzulernen sowie gleichzeitig wertvolle Job-Experience zu sammeln. Durch Aushilfsjobs im Zielland vergrössert man sein Portemonnaie – und kann sich die Reise finanzieren.

Für wen eignet sich «Work and Travel»?
Im Grunde für alle jungen Leute zwischen 18 und 30 Jahren, die Lust haben, die Welt zu entdecken. Für die Arbeitserlaubnis im Ausland benötigt man jedoch ein «Working-Holiday-Visum», für das man einige Voraussetzungen erfüllen muss. Dazu gehören unter anderem ein gültiger Reisepass, ein finanzieller Nachweis, ein Zertifikat über die Englischkenntnisse und eine abgeschlossene Ausbildung.

Kann man überall «Work and Travel» machen?
Eigentlich kann man überall hin, wo man bezahlte Jobs findet. Jedoch haben es Schweizerinnen und Schweizer gegenüber Bürgerinnen und Bürgern der Nachbarländer schwieriger, ein Arbeitsvisum für Länder wie Neuseeland oder Kanada zu erhalten. Denn die Schweiz hat mit diesen Staaten kein Working-Holiday-Abkommen. Die Good News: Seit 2022 gibt es ein Working-Holiday-Visum für Australien, mit dem junge Leute aus der Schweiz dort bis zu zwölf Monate reisen und arbeiten dürfen. Aktuell werden 200 solcher Visa pro Jahr ausgestellt. Eine Agentur wie wayers hilft dabei, den Antrag zu stellen und an alles Wichtige zu denken.
Kleiner Tipp: Auch ohne Working-Holiday-Visum muss man seine Reise­träume nicht über Bord werfen. Alternativen wie Auslandspraktika und Volontariate sind mindestens genauso cool.

Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Die Gesamtkosten können je nach Land stark variieren und hängen von vielen Faktoren ab, wie etwa der Aufenthaltsdauer, dem Lebensstil und den Jobs vor Ort. Auf jeden Fall sollte man ein gewisses Startkapital einrechnen – das wird ohnehin für das Visum vorausgesetzt. Vor der Reise kommen Kosten wie Flug, Impfungen und Versicherungen hinzu. Mit leerem Konto sollte man also nicht starten. Dafür kann man sich vor Ort ja wieder etwas dazu verdienen.

Ich möchte ein halbes Jahr auf «Work and Travel»-Reisen  gehen. Wie soll ich vorgehen? Was soll ich fix buchen? Worauf gilt es zu achten?
Man sollte die Reise auf jeden Fall ein halbes Jahr im Voraus planen, rechtzeitig ein Visum beantragen und die nötigen Flüge buchen. Der Reisepass sollte noch mindestens 18 Monate gültig sein. Am besten informiert man sich regelmässig über die Bestimmungen im Zielland, um immer up to date zu bleiben. Ausserdem empfiehlt es sich, für die ersten Tage eine Unterkunft parat zu haben. Danach kann man sich vor Ort weiter umsehen. Ausserdem Pflicht: eine Auslandskrankenversicherung.

Soll ich alles selber buchen oder über eine Agentur gehen?
Auch wenn eine Agentur anfangs natürlich Mehrkosten bedeutet, zahlt sich die Investition auf lange Frist eindeutig aus. Zum einen bekommt man umfangreiche Unterstützung in Sachen Visum und Vorbereitung. Zum anderen profitiert man auch vor Ort, etwa durch erfahrene Ansprechpersonen, Notfallnummern und Reise-Tipps. Wir etwa bieten zudem einen weiteren Benefit: Unsere exklusive Jobdaten­bank garantiert fortlaufend Jobangebote – teilweise schon vor Reise­beginn.  

Ein, zwei Tipps zum Abschluss bezüglich «Work and Travel»?
Man sollte nicht zu lange warten – jetzt ist die Zeit, dieses Abenteuer endlich in die Tat umzusetzen! Und macht euch nicht zu viele Gedanken über das Finanzielle. Es gibt einige Tricks, wie man beim Reisen Geld sparen kann. Längere Busfahrten kann man zum Beispiel gut auf nachts legen, da man sich so eine Übernachtung im Hostel spart. Auch WWOOFing – Unterstützung auf Farmen im Gegenzug zu Unterkunft und Mahlzeiten – oder Couch-Surfing sparen Geld. Aber am wichtigsten: Folgt eurem Herzen, lasst euch von eurem inneren Kompass leiten und geniesst die Reise eures Lebens!


____


Erschienen im Magazin «Primus – Lehrabschluss», Ausgabe 2023