Passerelle
Die Passerelle boomt: Jährlich werden rund 1300 Passerelle-Ausweise ausgestellt. Davon gingen rund drei Viertel an Inhaberinnen und Inhaber der Berufsmatura, der Rest an Fachmaturanden und Fachmaturandinnen. Der Anteil an Männern und Frauen ist dabei in etwa ausgeglichen.
Quelle: Bundesamt für Statistik
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Für Berufs- und Fachmaturandinnen und -maturanden besteht seit einigen Jahren mit der sogenannten «Passerelle» die Möglichkeit, ein Universitätsstudium in der Schweiz in Angriff zu nehmen. Wer über eine Berufs- oder Fachmaturität verfügt, kann die gymnasiale Matura in einem verkürzten Ausbildungsgang (hängt von der Schule ab) erwerben oder die Passerelle absolvieren, um Zugang an eine Universität oder eine der beiden Technischen Hochschulen (ETH in Zürich und EPF in Lausanne) zu erhalten.
Bei der «Ergänzungsprüfung Passerelle Berufsmaturität/Fachmaturität – universitäre Hochschulen», wie es genau heisst, handelt es sich im Grunde um eine Prüfung in Allgemeinbildung, die jährlich jeweils zweimal pro Sprachregion stattfindet. Folgende fünf Bereiche werden dabei geprüft: lokale Landessprache, zweite Landessprache oder Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Vorbereitung auf diese Prüfung ist grundsätzlich frei, dauert in der Regel allerdings zwei bis drei Semester und muss meist in Vollzeit absolviert werden. Sowohl öffentliche als auch private Schulen bieten dazu Kurse an. Man kann sich aber auch selbst vorbereiten. Mehr als 30 Schulen bieten in der Schweiz den Passerelle-Lehrgang (Vorbereitung auf die Prüfung) an – in rund zwei Dritteln dieser Schulen kann man die Prüfung hausintern ablegen.
Wer die Prüfung besteht, hat Zugang zu allen Studiengängen an allen universitären Hochschulen der Schweiz. Ein Studium an ausländischen Universitäten ermöglicht sie nur dort, wo die Ergänzungsprüfung freiwillig anerkannt wird. Rechtlich stellt dieses Zeugnis übrigens kein gymnasiales Maturitätszeugnis dar.
- Vollständiger Name: Ergänzungsprüfung Passerelle «Berufsmaturität/Fachmaturität – universitäre Hochschulen»
- Ziel: Erlangung der Hochschulreife für Inhaber und Inhaberinnen eines Berufs- oder Fachmaturitätszeugnisses
- Zulassungsbedingungen: Zugelassen werden Inhaberinnen und Inhaber eines Berufsmaturitätszeugnisses oder eines Fachmaturiätszeugnisses. Es gibt keine anderen Zulassungsvoraussetzungen.
- Was wird geprüft: 1. Landessprache, 2. Landessprache oder Englisch, Mathematik, Bio/Chemie/Physik, Geschichte/Geografie
- Wie zählen die Fächer: Alle Noten haben das gleiche Gewicht; Gesamtpunktzahl ist die Summe der fünf Noten
- Wann bestanden: Mindestens 20 Punkte UND nicht mehr als zwei Noten unter 4 UND keine Note unter 2
- Bei Nichtbestehen: Die Prüfung kann einmal wiederholt werden – Fächer mit mind. Note 5 müssen nicht mehr wiederholt werden
Wenn ich die Ergänzungsprüfung Passerelle bestehe, erhalte ich dann eine Bestätigung für das erreichte -Sprachenniveau gemäss dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (Niveau B1 etc.)?
Nein, es können keinerlei Äquivalenz-Bescheinigungen -aufgrund einer bestandenen Ergänzungsprüfung abgegeben werden.
Ich möchte nach erfolgreich absolvierter Ergänzungs-prüfung Passerelle an einer ausländischen Uni studieren. Werde ich da zugelassen?
Die Ergänzungsprüfung Passerelle ist ein «schweizerisches Konstrukt» und im Ausland meist nicht bekannt; so bleibt Ihnen an ausländischen Universitäten meist der Zutritt verwehrt.
Wenn ich an der Sommersession im August die Prüfung bestehe, kann ich dann direkt mit dem Studium Mitte September beginnen?
Ja. Auch wenn das Zeugnis kurz vor Beginn des Studienjahres erlangt wird, berechtigt es sofort nach Ausstellung zum universitären Studium. Um den Immatrikulationsstellen möglichst rasch ein Dokument vorlegen zu können, erhalten Sie am Tag der bestandenen Prüfung eine Bestätigung. Das Zeugnis über die bestandene Ergänzungsprüfung kann erst nach Beendigung der Prüfungssession erstellt, unterzeichnet und versandt werden.
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Quelle: sbfi.admin.ch
Schulen mit hausinternen Prüfungen:
- Aargauische Maturitätsschule für Erwachsene (AME)
- Gymnasium Kirschgarten, Maturitätskurse für Berufstätige (MfB)
- Liceo cantonale di Bellinzona
- Berner Maturitätsschule für Erwachsene (BME)
- Feusi Bildungszentrum
- Gymnase français de Bienne
- Kollegium Spiritus Sanctus Brig
- Thurgauisch-Schaffhauserische Maturitätsschule für Erwachsene (TSME)
- Collège St-Michel
- Collège pour adultes Alice-Rivaz
- Gymnase de Provence
- Gymnase du Soir
- Kantonsschule Reussbühl, Maturitätsschule für Erwachsene (MSE)
- Kantonsschule Solothurn (KSSO)
- Collège de l’Abbaye de Saint-Maurice
- Interstaatliche Maturitätsschule für Erwachsene (ISME)
- Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME)
- AKAD College Zürich
- Lycée Jean-Piaget
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Schulen ohne hausinterne Prüfungen (Vorbereitung auf die schweizerischen Prüfungen):
- Collegio Papio
- Wirtschafts- und Kaderschule KV Bern (WKS)
- Cours Perreten, Ecole à distance
- EPSU Ecole de préparation et soutien universitaire
- École du Flon
- PrEP Lausanne
- Ecole Prévôtoise
- SBW EuregioGymnasium
- Minerva Zürich
- Stiftung Juventus Schulen Zürich
- Centre de Formation et de Placement (CFPN)
- AKAD College Bern
- Academic Gateway
- Liceo Galileo Galilei
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Quelle: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, Stand: Januar 2021
- www.berufsberatung.ch
- www.ausbildung-weiterbildung.ch
- www.sbfi.admin.ch (Suchbegriff: «Passerelle»)
- wikipedia.ch: «Passerelle (Bildung)»
- Informationen bei den einzelnen Schulen
Expertinneninterview zum Thema «Passerelle»

Dr. Rebecca Eichhorn
war zur Zeit des Interviews Konrektorin bei AKAD College, Abteilung Matura & Passerelle. Sie hat ein Chemiestudium und die Promotion an der Universität Zürich absolviert und verfügt über langjährige Erfahrung in der Erwachsenenbildung.
Frau Eichhorn, was bringt die Passerelle?
Mit der «Ergängzungsprüfung Passerelle Berufsmaturität/Fachmaturität – universitäre Hochschulen» hat man Zugang zu allen Studiengängen der Universitären Hochschulen der Schweiz sowie zu allen Studiengängen der Pädagogischen Hochschulen. Jedes Studium in der Schweiz wird möglich.
Was sind die Unterschiede zur Matura?
Der Prüfungsumfang ist in der Passerelle deutlich kleiner als in der Matura. In der Passerelle werden acht Fächer geprüft, in der Gymnasialen Matura sind es zwölf. Zusätzlich muss eine Maturaarbeit geschrieben werden. Fächer, die in der Passerelle geprüft werden sind Deutsch, Englisch oder eine zweite Landessprache, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Geschichte und Geografie.
Welche Angebote und Möglichkeiten gibt es?
Auf der Webseite des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI, www.sbfi.admin.ch, Anm. d. Red.) findet sich eine Liste mit den vorbereitenden Schulen, gegliedert in Schulen, die die Passerellen-Prüfung inhouse durchführen dürfen und diejenigen, die auf die externe Prüfung vorbereiten. Der Lehrgang dauert prinzipiell ein Jahr. Dabei sind berufsbegleitende und Vollzeitmodelle in der ganzen Schweiz im Angebot.
Wie hoch sind die Kosten und wie gross ist der zeitliche Aufwand?
Der Lehrgang dauert ein Jahr, die Stoffmenge ist sehr gross, so dass innerhalb dieses Jahres mit einem grossen Zeitaufwand gerechnet werden muss.
Bei AKAD College empfehlen wir den Studierenden, zusätzlich zum Präsenzunterricht – wahlweise ein Tag oder zwei Tage pro Woche – mit einem Selbststudium von 20 bis 25 Stunden pro Woche zu rechnen. Die Kosten hängen natürlich davon ab, an welcher Schule die Ausbildung absolviert wird. An einer Privatschule muss mit einem Schulgeld von 13000 bis 20000 Franken für den gesamten Lehrgang gerechnet werden. An einer öffentlichen Schule sind die Kosten deutlich tiefer, oft ist dann aber eine gleichzeitige Berufstätigkeit unmöglich.
Wie sieht es bei ausländischen Unis aus?
Die Passerelle ist ein «Schweizer Ding» und prinzipiell nicht anerkannt von ausländischen Universitäten. Punktuell kann aber die mit der Passerelle erworbene Studierfähigkeit von ausländischen Unis gewürdigt werden. Falls ein Studium im Ausland angestrebt wird, lohnt sich die Kontaktaufnahme mit dem Rektorat der ausgewählten Universität. Eine andere Möglichkeit ist, einen Bachelorabschluss in der Schweiz zu machen und damit an eine ausländische Universität zu wechseln.
Was zeichnet Ihre Bildungseinrichtung aus?
Die Passerellen-Prüfung wird bei AKAD College ab 2018 inhouse durchgeführt. Wie in allen AKAD-Lehrgängen ist es möglich, während des Passerellen-Lehrgangs berufstätig zu bleiben. Es bestehen zusätzlich zum Nachweis eines Berufsmaturitätszeugnisses beziehungsweise einer Fachmaturität keine Aufnahmebedingungen wie ein BM-Notenschnitt von 5,0. Dafür erfolgt bereits Ende des ersten Semesters eine umfangreiche Leistungskontrolle: Nur bei entsprechender Promotion kann der Lehrgang im 2. Semester fortgesetzt werden, andernfalls muss das 1. Semester repetiert werden. Im 2. Semester erfolgt die Promotion für die Abschlussprüfung. So ist es möglich, konstant gute Erfolgsquoten zu erzielen: Die langjährige Erfolgsquote bei den externen Passerellen-Prüfungen von AKAD-College-Absolventen beträgt 86,5 Prozent.
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Quelle: Magazin «Primus – FH & PH», Ausgabe 2019