Zwischenjahr/Brückenangebote nach der Oberstufe
«Brückenangebote» nennt man alle Angebote, die eine «Brücke» zwischen der obligatorischen Schulzeit und einer Lehre oder weiterführenden Schule bauen. Sie dienen zum einen dazu, dass noch lehrstellenlose Schulabgänger und Schulabgängerinnen die Zeit während der weiteren Stellensuche sinnvoll nutzen können, zum anderen helfen sie, sich optimal auf eine nachfolgende Ausbildung vorzubereiten.
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«Brückenangebote» schaffen eine Verbindung zwischen der obligatorischen Schulzeit und einer Lehre oder weiterführenden Schule. Es gibt sowohl staatliche, meist kantonale, wie auch private Anbieter und unzählige Bezeichnungen dafür. Man unterscheidet rein schulische Ausbildungen und kombinierte Angebote, die sowohl theoretischen Unterricht als auch praktische Arbeiten umfassen. Sie werden als 10. Schuljahr, Zwischenlösung, Berufsvorbereitungsschule, Berufswahlschule, Vorbereitungskurs usw. bezeichnet. Auch Ausbildungen, die auf das Gymnasium oder die Berufsmittelschule vorbereiten, sind beliebte Zwischenjahrmöglichkeiten.
Brückenangebote eignen sich für Jugendliche, die in ihrer Berufswahl noch unentschlossen oder mit der Lehrstellensuche überlastet sind. Ein Brückenangebot schafft Ruhe, gibt ein weiteres Jahr Zeit und kann unterstützend für den zukünftigen Weg genutzt werden. Auch kann es sein, dass noch keine Wunschlehrstelle frei ist und man warten muss. Oder man muss ein Jahr älter werden, um mit der Ausbildung starten zu können. Mit einem Brückenjahr kann man diese Zeit sinnvoll nutzen. Bestimmte Ausbildungen oder Mittelschulen setzen teilweise Vorbildungen voraus; diese kann man im Rahmen eines Brückenangebotes absolvieren. Brückenangebote dauern üblicherweise sechs bis zwölf Monate. Es gibt unzählige Brückenangebote. Am besten informiert ihr euch darüber im Internet und googelt «Brückenangebot» und euren Wohnkanton. Die Berufsberatung in eurer Nähe kann euch ebenfalls weiterhelfen.
Wichtig ist es, sich frühzeitig über Brückenangebote zu informieren. Oftmals ist das Angebot beschränkt oder bereits ausgebucht und die Nachfrage gross. Am besten kümmert man sich bereits parallel zur Lehrstellensuche um mögliche Brückenangebote. Denn sollte es mit der Lehre nicht klappen, hat man einen Plan B. Bei der Planung gilt es zu berücksichtigen, dass man zu Beginn eines Zwischenjahres von der Lehrstellensuche stark beansprucht wird, ein Auslandaufenthalt ist zu diesem Zeitpunkt daher beispielsweise eher ungünstig. Ihr solltet bereits vor dem Zwischenjahr die weiteren Schritte für eure Ausbildung planen. Stellt euch deshalb die Frage: «Was möchte ich mit einem Zwischenjahr erreichen?»
Seid euch zudem bewusst, dass ein Zwischenjahr finanziell ins Gewicht fallen kann. Kantonale Angebote sind zwar meist unentgeltlich, doch viele Brückenangebote werden von privaten Institutionen zur Verfügung gestellt und müssen selber berappt werden.
- Wenn der Übergang in die Lehre oder in eine weiterführende Schule noch nicht gelungen ist.
- Wenn man noch auf der Suche nach einem Berufsweg ist und dafür noch Zeit und Unterstützung benötigt.
- Wenn das Schulwissen noch nicht für den Wunschberuf reicht.
- Wenn die angestrebte Ausbildung ein weiteres Schuljahr, einen Sprachaufenthalt oder einen Vorkurs erfordert.
- Wenn eine Lehrstelle erst fürs Folgejahr zugesichert wurde.
- Wenn eine schulische Aufnahmeprüfung nicht bestanden wurde.
- Wenn das geforderte Mindestalter noch nicht erreicht wurde.
- Vermittlung von Allgemeinbildung ohne Praxisanteil: u.a. 10. Schuljahr, Allgemeine Berufsvorbereitung, Berufswahlschulen, Mittelschulvorbereitung
- Sprachen lernen: Au-pair, Sprachschulen, Jugendaustausch
- Integrationsbrückenangebote für Schüler und Schülerinnen mit fremdsprachigem Hintergrund
- Vorbereitung auf hauswirtschaftliche Berufe: Haushaltungsschulen, Hauswirtschaftsjahr
- Vorbereitung auf soziale, pädagogische und medizinische Berufe: Vorkurse der Gewerblichen Berufsschule, Vorschulen für Pflegeberufe, Sozialjahre
- Vorbereitung auf Handel, Informatik, Verwaltung, Verkehr: Vorkurse der Gewerblichen Berufsschule, Jahreskurs Handel und Berufswahl, Vorbereitungsjahr für Informatik-Berufe
- Vorbereitung auf gestalterische Berufe: Gestalterische Vorkurse, Vorkurse der Gewerblichen Berufsschule, Gestalterische Vorbereitungskurse/-jahre
- Vorlehre: praktische Tätigkeit in Vorlehrbetrieben, kombiniert mit Schule
- Praktische Tätigkeiten: Arbeits- und Sozialeinsätze, Landdienst
- Angebote für stellenlose Schulabgänger/-innen: u.a. Motivationssemester (SEMO)
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Tipp: Wenn euch etwas interessiert, einfach den Begriff mal «googeln». Allenfalls in Kombination mit eurem Wohnkanton. Gute allgemeine und neutrale Infos zu Brückenangeboten oder einem Zwischenjahr gibt es zudem auf: berufsberatung.ch
Zu beachten: Brückenangebote unterscheiden sich je nach Kanton in Bezeichnung, Aufbau und Inhalt.
Wenn man noch nicht weiss, welchen Beruf man ergreifen möchte, keine offene Lehrstelle findet oder sich auf eine weiterführende Schule vorbereiten möchte, besteht die Möglichkeit, ein 10. Schuljahr als Überbrückung zu absolvieren. Hier können neben den Kernfächern Wahlfächer belegt werden, welche die Vorbereitung auf eine Berufsrichtung unterstützen. Es werden die sprachlichen Kompetenzen verbessert sowie mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen vertieft. Zudem werden weitere Fähigkeiten wie selbständiges Arbeiten, soziales Verhalten, logisches Denken oder die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen vermittelt. Des Weiteren wird man üblicherweise intensiv bei der weiteren Lehrstellensuche unterstützt.
Experteninterview

Christian Waser
ist ausgebildeter Sekundar- und ABU-Lehrer. An den FREI’S Schulen Luzern ist er unter anderem für das 10. Schuljahr verantwortlich.
Herr Waser, was ist das «10. Schuljahr»?
Ein 10. Schuljahr bietet eine optimale Vorbereitung auf die bevorstehende Berufslehre oder auf eine weiterführende Schule. Es bestehen schweizweit diverse Angebote mit unterschiedlichen Vertiefungsmöglichkeiten. Bei uns an den FREI’S Schulen bieten wir beispielsweise die Vertiefungsrichtungen «Kaufmännische Berufe/Detailhandel» und «Medizinische Assistenzberufe» an. Nebst den Spezialfächern wie Betriebskunde oder Biologie werden auch Grundlagenfächer wie Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik oder Informatik unterrichtet.
Für wen eignet sich dieses Angebot?
Das 10. Schuljahr eignet sich für Schulabgängerinnen und -abgänger, die sich schulisch verbessern und weiterentwickeln wollen. Zudem besteht die Möglichkeit, erste praktische Berufserfahrungen zu sammeln oder einen Sprachaufenthalt zu absolvieren. Gleichzeitig erhalten sie professionelle Unterstützung bei der Lehrstellensuche.
Gibt es in der ganzen Schweiz die Möglichkeit, ein solches zusätzliches Schuljahr zu besuchen?
In der Schweiz gibt es zahlreiche Angebote, entweder von öffentlich-rechtlichen Schulen oder von Privatschulen.
Welche persönlichen Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man ein 10. Schuljahr absolvieren möchte?
Motivation ist die wichtigste Voraussetzung. Und eine realistische Berufswahl: Die meisten Lehrstellen werden bis im Herbst vergeben. Bis Schulstart sollte deshalb die Berufswahl abgeschlossen sein, damit der Bewerbungsprozess beginnen kann.
Gibt es Aufnahmebedingungen?
Je nach Schule gibt es unterschiedliche Aufnahmebedingungen. An den FREI’S Schulen verzichten wir beispielsweise bewusst auf eine Aufnahmeprüfung. Dafür klären wir in einem persönlichen Beratungsgespräch die individuellen Voraussetzungen. Ausserdem prüfen wir, wie realistisch ein Berufswunsch aufgrund der bisherigen schulischen Leistungen ist.
Mit welchen Kosten muss man etwa rechnen?
Die Kosten für ein 10. Schuljahr sind je nach Anbieter unterschiedlich. Genau weiss ich es nur bei uns. Hier belaufen sie sich auf mindestens 7390 Franken. Je nach zusätzlichen Wahlfächern oder einem integrierten Fremdsprachaufenthalt erhöht sich der Betrag.
Erhält man nach Abschluss ein Zeugnis?
Üblicherweise ist das sicher so. Bei uns beispielsweise gibt es während des Semesters in allen Fächern Prüfungen und am Ende eines Semesters jeweils ein Zeugnis. Ende Schuljahr finden zudem Jahresprüfungen statt, die in das Abschlusszeugnis einfliessen.
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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021
Sogenannte Vorkurse vermitteln gezielt Grundkenntnisse für bestimmte Ausbildungen. Sehr beliebt ist der gestalterische Vorkurs, der für diverse Lehrstellen die Grundvoraussetzung ist. Diese Kurse dauern in der Regel ein Jahr und schliessen mit einem Zertifikat der besuchten Schule ab. Je nach Kurs werden andere Schwerpunkte gesetzt. Daher ist es lohnenswert, sich vorgängig gut zu informieren. Die Kurse vermitteln nicht nur grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten für die folgende Berufsausbildung, sondern zeigen auch auf, ob man für den zukünftigen Beruf geeignet ist.
Expertinneninterview «Vorbereitungskurse»

Maria Murillo
ist Leiterin Kurse & Nachhilfe bei der Lernstudio Zürich AG*.
Frau Murillo, welche spezielle Vorbereitung auf die Lehrstellensuche können Sie empfehlen?
Da empfehle ich, den Multicheck-Test genauer anzuschauen. Der Multicheck ist ein Leistungstest, der von vielen Firmen bei der Lehrstellen-Bewerbung verlangt wird. Hier gibt es mehrere Anbieter, die mit Kursen darauf vorbereiten.
Bekannt sind die Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfung ans Gymnasium: Wie sehen diese konkret aus?
Die Angebote sind sehr unterschiedlich. So variieren beispielsweise die Gruppengrössen von vier bis zehn Schülerinnen und Schülern. In den Kursen für das «Kurzgymi», also ab der 8. oder 9. Klasse, wird der Lernstoff der Sekundarstufe in den Prüfungsfächern Deutsch, Französisch, Mathematik und Geometrie gefestigt. Durch umfangreiche Übungssequenzen, wie sie in der Aufnahmeprüfung typischerweise vorkommen, werden die Teil-
nehmenden mit dem Prüfungsstoff vertraut gemacht und erhalten dadurch mehr Sicherheit. Sinnvoll ist es, einen Kurs zu wählen, der je nach Vorwissen und Vornoten variiert. Wir bieten beispielsweise drei Varianten an: Kurse über 22 Wochen, 15 Wochen und sieben Wochen. Die Kosten bewegen sich im Rahmen zwischen 1400 und 3900 Franken, je nach Kurslänge.
Wie hoch ist die Erfolgsquote bezüglich Aufnahme an ein Gymnasium nach Absolvierung eines Vorbereitungskurses?
Das ist unterschiedlich. Bei uns im Lernstudio haben wir beispielsweise über die Jahre eine Erfolgsquote von rund 90 Prozent erreicht. Wir haben dafür eigene Lehrmittel entwickelt und unsere Lehrkräfte kennen den Prüfungsstoff im Detail. Die Aufnahmeprüfung ans Gymnasium ist wirklich anspruchsvoll. Es geht nicht nur um den fachlichen Stoff, sondern auch darum, wie man sich auf diese Prüfung vorbereitet, also um Arbeits- und Lerntechniken und um das Zeitmanagement.
Wie sieht es bezüglich Vorbereitungskursen für die FMS aus?
Die Vorbereitungskurse dauern zwischen sechs und acht Monaten, je nach Anbieter. In der Regel finden die Kurse am Samstagvormittag statt. Für die FMS wird eine Aufnahmeprüfung verlangt, bei der der Sekundarschul-Stoff in Deutsch, Mathematik und Französisch getestet wird. Dieser muss überdurchschnittlich gut sitzen, damit die Prüfung gemeistert werden kann. Im Prüfungstraining wird der Stoff nochmals gefestigt und dann wird der Fokus auf die prüfungsrelevanten Themen und Aufgabentypen gelegt. Die Ausbildung an einer FMS richtet sich an gute Sekundarschülerinnen und -schüler, welche gerne ihre Allgemeinbildung vertiefen und erweitern möchten und sich für den Umgang mit Menschen interessieren.
Mit welchen Kosten muss man hier rechnen?
Zwischen 3000 und 3900 Franken, je nach Anbieter. Um den Preis und die Qualität einschätzen zu können, empfehle ich, auf die Anzahl der angebotenen Unterrichtslektionen und auf die Lernmaterialien zu achten.
*Die Lernstudio Zürich AG ist eine staatlich anerkannte Privatschule mit mehreren Standorten im Grossraum Zürich. Das Bildungsangebot umfasst Tagesschulen, Kurse, Nachhilfe und Schulberatung. Das Lernstudio ist spezialisiert auf die Vorbereitung zum Übertritt ans Gymnasium, an Mittelschulen und ins Berufsleben.
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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021
Dies ist eine speziell für Jugendliche und jüngere Erwachsene konzipierte Massnahme. Das Motivationssemester setzt sich in der Regel aus einem Beschäftigungs- und einem Bildungsteil zusammen. Es hat zum Ziel Jugendlichen, die noch keine Lehrstelle gefunden oder eine Lehre oder Mittelschule abgebrochen haben, eine feste Struktur zu bieten. Man wird zudem bei der Wahl des weiteren Weges unterstützt. In der Regel dauert ein Motivationssemester sechs Monate und kann bis zu einem Jahr verlängert werden. Die konkrete Ausgestaltung kann variieren und wird oft individuell abgestimmt. Vermittelt werden die Angebote von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Durchgeführt werden die Motivationssemester meist von Stiftungen oder Vereinen. Kosten entstehen hier keine – die Ausgaben für Weg und Essen werden bezahlt.
Die Vorlehre ist ein duales (Theorie und Praxis) Berufsvorbereitungsjahr für Jugendliche, die noch keine Lösung nach dem 9. Schuljahr haben, aber zumeist schon wissen, welche Lehre sie machen wollen. Allenfalls gibt es noch gewisse Defizite, beispielsweise bei der Sprache. Die Vorlehre besteht üblicherweise aus drei bis vier Tagen pro Woche Arbeit in einem Betrieb und ein bis zwei Tagen Unterricht in einer Schule. Man erhält einen Vorlehrvertrag und einen Lohn. Für das Finden der Arbeitsstelle ist man selbst verantwortlich! Üblicherweise wird man im Betrieb anschliessend ins erste Lehrjahr übernommen. Um zu einer Vorlehre zu gelangen, sollte man aktiv auf Firmen zugehen und fragen, ob sie auch Vorlehren anbieten, falls es für eine Lehre noch zu früh ist oder keine Lehrstellen mehr frei sind. Hat man noch keine Stelle gefunden, gibt es oftmals doch die Chance in die schulische Ausbildung einzutreten und dabei weiterhin einen Praktikums-/Vorlehrplatz zu suchen. Die Schule unterstützt einen dabei. So schreibt das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen auf seiner Website: «Wer zu Beginn der Vorlehre noch kein Praktikum hat, kann trotzdem in die Vorlehre eintreten und wird bei der Suche nach einer Praktikumsstelle […] unterstützt. Wer keine Praktikumsstelle hat, besucht zur individuellen Förderung an zwei zusätzlichen Halbtagen den Schulunterricht.»
Neben dem klassischen Sprachaufenthalt gibt es mittlerweile auch eine Vielzahl von Austauschprogrammen für Jugendliche. Dabei verbringt man zumeist gleich ein ganzes Schuljahr im Ausland. Man besucht nicht eine Sprachschule, sondern eine «normale» öffentliche Schule. Dabei wohnt man bei einer Gastfamilie. Diverse Anbieter ermöglichen Austauschprogramme bereits für Jugendliche ab 15 oder 16 Jahren. Bei einem Austausch-aufenthalt muss man insgesamt mit Kosten von etwa 30 Franken pro Tag rechnen. Ein ganzes Jahr kostet also um die 10000 bis 12000 Franken. Auch hier lohnt es sich, einfach mal das Wort «Austauschprogramm» zu googeln.
Beachtet aber, dass es solche Programme auf allen Bildungsebenen gibt. So bieten auch Hochschulen Programme mit gleichem Namen an, die aber für euch natürlich noch nicht in Frage kommen. Für euch gibt es zu diesem Thema Informationen unter anderem hier: www.berufsberatung.ch, www.afs.ch, www.intermundo.ch, www.aifs.ch, www.yfu.ch, www.rotaryswissyep.ch und www.switzerland.international-experience.net.
Expertinneninterview «Schüleraustausch»

Vera Lauber
organisiert Schüleraustausche bei international Experience Schweiz.
Frau Lauber, für wen eignet sich ein Austauschaufenthalt im Ausland?
Ein Austausch eignet sich für alle Jugendlichen, welche in eine neue Kultur und in ein anderes Schulsystem eintauchen, ihren Horizont erweitern, ihre Persönlichkeit entfalten und eine schulische Auslanderfahrung machen möchten. Die Dauer des Austausches variiert dabei. Wir bei international Experience beispielsweise organisieren Aufenthalte von rund drei Monaten bis zu einem ganzen Schuljahr.
Welche Programme und Möglichkeiten gibt es?
Es sind Auslandaufenthalte an öffentlichen Schulen, an Privatschulen, an Colleges sowie an Internaten möglich. Bei uns gibt es sogar ein Programm mit Schulunterricht an Bord eines Schiffes, während die Schülerinnen und Schüler durch die Weltmeere segeln und bis zu 20 Häfen weltweit besuchen.
In welche Länder kann man momentan reisen?
Erlaubt ist momentan eine Einreise nach Grossbritannien, Irland, Frankreich, Italien, Spanien, Kanada, USA, Costa Rica, teilweise Südamerika, sowie Skandinavien. Eine Einreise nach Australien, Neuseeland sowie Südafrika ist leider zurzeit aufgrund der Covid-Pandemie nicht möglich.
Welche Voraussetzungen sollte man für einen Austauschaufenthalt mitbringen?
Offenheit und Interesse gegenüber anderen Kulturen und Schulsystemen, Motivation und Engagement. Vom Alter her nehmen wir beispielsweise je nach Programm Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren auf. Da es nicht nur ein wertvoller akademischer Austausch werden soll, sind oftmals die Schulnoten nicht so relevant. Charakter, Motivation sowie anderweitige Begabungen der Schüler spielen häufig eine wichtigere Rolle.
Mit welchen Kosten muss man etwa rechnen?
Die Gebühren sind je nach Programm, Land und Dauer unterschiedlich. Ein Auslandaufenthalt für ein Schuljahr ist beispielsweise momentan in den USA an einer öffentlichen Schule für rund 12000 Franken für Schule und Gastfamilie organisierbar. Für Frankreich betragen die Preise rund 9000 Franken für ein halbes Schuljahr an einer öffentlichen Schule mit Aufenthalt in einer Gastfamilie. Bei uns werden auch Finanzhilfen – zum Beispiel durch Stipendien - geprüft, um allen die Chance zu geben, einen solchen Austausch zu machen.
Wie sieht der konkrete Alltag aus?
Die Schülerinnen und Schüler erleben unterschiedliche Alltage. Dies ist abhängig davon, in welchem Land sie sind und welchen Lebensstil die Gastfamilien pflegen. Meistens geht man morgens zur Schule und kehrt am Abend zur Familie zurück. Oftmals besuchen die Jugendlichen nach Schulschluss noch ein Sportprogramm, gehen einem anderen Hobby nach oder treffen sich mit ihren Freunden.
Wie geht man am besten vor, wenn man Interesse an einem Auslandaufenthalt hat?
Es ist sinnvoll, wenn sich die Schülerinnen und Schüler und ihre Familien in einer ersten Phase Gedanken über die Vorstellungen sowie die Ziele des Austausches machen. Viele haben schon konkrete Ideen und Wünsche, andere sind noch sehr offen. Auch das Sammeln von Informationen ist hilfreich. Da es verschiedenste Angebote gibt und meist viele Fragen auftauchen, empfehlen wir Kontakt mit einer Austauschorganisation aufzunehmen, um das passende Angebot zu finden. Wir beispielsweise bieten persönliche Gespräche zusammen mit der Familie zuhause an, um eine kostenlose und unverbindliche Beratung zu ermöglichen.
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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021
Auch in eurem Alter sind bereits Sprachaufenthalte überall auf der Welt möglich. Eine solche Reise ist ein unvergessliches Erlebnis. Viele Anbieter haben Programme, die speziell auf Jugendliche zugeschnitten sind. Am besten ist es, einen Sprachaufenthalt frühzeitig zu buchen. Zwar sind auch kurzfristige Buchungen möglich, doch sind diese oftmals wegen der Einreisebestimmungen einiger Länder und wegen bereits ausgebuchter Kurse problematisch. Zudem kann bei langfristiger Planung mehr auf die individuellen Wünsche (Unterkunft usw.) eingegangen werden, und die Flüge sind günstiger. Die Dauer für einen Sprachaufenthalt ist nicht vorgeschrieben. Ein Aufenthalt kann vier Wochen, ein halbes Jahr oder auch länger dauern. Je nach Dauer und Aufenthaltsort variiert der Preis eines Sprachaufenthaltes natürlich.
Vor Ort geht es bei einem Sprachaufenthalt in der Schule eher locker zu. Der Unterricht ist nicht unbedingt mit jenem zu vergleichen, den ihr aus der Oberstufe kennt. Neben der Schule werden Ausflüge organisiert und viele Aktivitäten angeboten.
Falls ihr wählen könnt, empfehlen wir euch, bei einer Gastfamilie zu wohnen. Man lernt nirgends besser den Alltag und die Gewohnheiten von Menschen in einem anderen Land kennen. Man sollte sich aber bewusst sein, dass nicht alles gleich wie zu Hause ist und eine gewisse Offenheit an den Tag legen. Falls ihr euch dort aber trotzdem unwohl fühlen solltet, dann wendet euch an die zuständige Person an eurer Schule. Erkundigt euch bei eurem Sprachreisenanbieter unbedingt im Voraus, was die Gastfamilie euch alles gemäss Vertrag bieten sollte.
Ein Au-pair-Einsatz (ab 15 Jahren) ist eine günstige und spannende Möglichkeit für einen Sprachaufenthalt. Als Au-pair lebt man bei einer Gastfamilie in einem fremden Sprachgebiet. Man hilft im Haushalt, betreut die Kinder und vertieft so seine Fremdsprachenkenntnisse. In den meisten Fällen wird der Aufenthalt durch den Besuch einer Sprachschule ergänzt. Es gibt die Möglichkeit, als Au-pair in der Schweiz oder im Ausland einen Aufenthalt zu absolvieren. Nicht nur junge Frauen verbringen auf diese Weise einen Sprachaufenthalt, sondern auch immer mehr Männer.
Kost und Logis werden durch die Gastfamilie gedeckt. Ausserdem wird den Au-pairs heutzutage vielfach ein angemessener Lohn bezahlt.
Die Webseiten www.profilia.ch, www.aupair.ch, www.aifs.ch und www.compagna.ch bieten ein breites Angebot und stellen Informationen bereit.
Erfahrungsbericht «Au-pair»

Aline
hat das Schuljahr 2020/2021 als Au-pair in Fribourg verbracht. Sie war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt.
Une année fille au pair
Im Jahr 2020 entschied ich mich, ein Zwischenjahr zu machen. Im Internet stiess ich auf Pro Filia Zentralschweiz. Die Stellenvermittlerin half mir die für mich beste Familie zu finden. Sie wohnte in Fribourg und hatte zwei Kinder. Während den Schnuppertagen lernte ich die Familie, das Haus und die Umgebung kennen. Nach diesem schönen Aufenthalt war ich mir sicher, diese Gastfamilie ist perfekt für mich.
Ende August 2020 begann die grosse Reise in mein neues Leben. Meine Eltern brachten mich zu meiner Gastfamilie. Ich richtete mit meinen Eltern das Zimmer ein. Ich war ein wenig nervös. Die Gastfamilie hat mich aber herzlich in Empfang genommen. Am Montag begann bereits der Alltag. Die Kinder hatten noch eine Woche Ferien, so konnte ich die beiden besser kennenlernen. In den ersten Wochen war alles sehr neu für mich. Bis zu den Herbstferien gab ich mir die Zeit, mich einzuleben und mich an das Französisch zu gewöhnen. Von Tag zu Tag ging alles besser. Mit den Kindern, der Arbeit und mit der Sprache. Nach zwei Wochen Herbstferien, die ich zu Hause verbrachte, war ich bereits schon an das Leben als Au-pair gewöhnt. Kinder hüten, kochen, aufräumen, bügeln und viele andere Arbeiten. Mit der Zeit ging alles immer besser und ich wurde auch schneller. Auch mit den Kindern verstand ich mich immer besser. Und mit jedem Gespräch, jedem Schulkurs, jedem Film und meinem Vokabularheft wurde mein Französisch besser.
Ich blieb bewusst sechs Wochen am Stück bei der Gastfamilie, um mich besser an die Sprache zu gewöhnen. Das half mir, grosse Fortschritte in der Sprache zu machen. Auch im Haushalt habe ich viele Arbeiten automatisiert. Jedes Wochenende habe ich mit meiner Gastfamilie viele neue Dinge erlebt und immer besser Französisch gelernt. Neben dem Französisch durfte ich von einem grossen Freizeitangebot profitieren. Ich lebte in einer sehr sportlichen und aktiven Familie. Beim Wandern, Klettern, Canyoning und diversen Wintersportarten erlebte ich sehr spannende Dinge. Auch durfte ich in den Ferien mit meiner Au-pair-Familie auf Reisen gehen. Zudem ging ich zwei Mal pro Woche ins Geräteturnen in Fribourg. So lernte ich einen neuen Club und neue Freunde kennen. Es war eine coole Erfahrung, ein Jahr in einem anderen Verein zu trainieren. Dazu besuchte ich jeden Mittwochnachmittag den Französischunterricht. Auch dort lernte ich neue Freunde kennen. Mit diesen ass ich jeden Mittwochabend im Restaurant. Dank dem Geräteturnen und der Schule hatte ich eine gute Abwechslung zum Alltag und genoss diese Zeit sehr.
Ich würde jeder und jedem Jugendlichen ein Jahr als Au-pair empfehlen. In diesem Jahr wurde ich viel selbständiger. Im Umgang mit Kindern lernte ich viel. Ich kann jetzt super gut Französisch sprechen. Ein solches Jahr durchzuziehen, war die beste Entscheidung in meinem Leben. Jetzt kann ich mit vielen Erinnerungen auf mein Jahr zurückblicken und erinnere mich sehr gerne an die Zeit zurück.
La famille reste dans mon cœur.
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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021
Expertinneninterview «Au-pair»

Andréa Lindi
ist Verantwortliche Stellenvermittlung für den Schweizerischen Verband PRO FILIA.
Frau Lindi, was macht ein Au-pair?
Die Aufgaben eines Au-pairs sind vielfältig und richten sich nach dem Bedarf der Gastfamilie. Die Hauptaufgabe ist jedoch, die Betreuung der Kinder. Mit ihnen zu spielen und Hausaufgaben zu machen. Als temporäres Familienmitglied wird von dem Au-pair aber auch leichte Hausarbeit sowie Kinderzimmer aufräumen, kochen und staubsaugen erwartet.
Kann man bereits nach der 9. Klasse – also mit 15 oder 16 Jahren – einen Au-pair-Aufenthalt absolvieren?
Ja, in der Schweiz muss man mindestens 15 Jahre alt sein und die obligatorische Schule abgeschlossen haben.
Worauf gilt es zu achten, wenn ich mich dafür interessiere, als Au-pair zu arbeiten?
Es ist immer empfehlenswert, über eine vertrauenswürdige Agentur zu gehen, welche bei Problemen oder Fragen helfen kann. Man sollte sich bewusst sein, dass das Au-pair-Jahr keine Ferien und auch nicht nur ein Sprachaufenthalt ist, sondern man lebt in einer Familie und hilft mit.
Inland oder Ausland – welche Möglichkeiten gibt es?
Volljährige Jugendliche haben die Möglichkeit, einen Au-pair-Aufenthalt in der Schweiz oder im Ausland zu machen. Minderjährige Jugendliche können dies lediglich in der Schweiz.
Welche Aufenthaltsdauer empfehlen Sie?
Die minimale Aufenthaltsdauer beträgt für die Schweiz und das Ausland sechs Monate. PRO FILIA empfiehlt jedoch zehn Monate – also ein ganzes Schuljahr. Je länger man sich im Sprachgebiet aufhält, desto besser lernt man die Sprache, die Mentalität, das Land und die Region kennen.
Wie sieht es finanziell aus? Entstehen mir Kosten? Verdiene ich vielleicht sogar etwas?
Wird eine Agentur beauftragt, fallen die Vermittlungsgebühren bei dieser an. Dies kann jedoch frei gewählt werden. Die Auslagen für Sprachschulen können je nach Land variieren. Die Gastfamilien kommen für Kost und Logis auf und entrichten ein Taschengeld. Dies ist unterschiedlich, je nach Land und Anzahl Arbeitsstunden.
Was, wenn mir der Aufenthalt gar nicht gefällt?
Falls der Aufenthalt dem Au-pair nicht gefällt, kann der Arbeitsvertrag fristgerecht – die Dauer hängt vom Land ab – gekündigt werden. Während des Au-pair-Jahres bleibt die Agentur Ansprechpartner und hilft unterstützend bei Problemen.
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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», erstmals erschienen in der Ausgabe 2020