HF-Studium
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Hat man die Lehre abgeschlossen, kann es nicht schaden, sich Gedanken über die weitere Ausbildung zu machen. Im Folgenden stellen wir euch die höhere Berufsbildung vor – dies sind spannende Weiterbildungsmöglichkeiten, die perfekt auf das duale Schweizer Bildungssystem mit dem Lehrabschluss als einer seiner Stützen zugeschnitten sind.
Es gibt rund 140 höhere Fachschulen in der Schweiz. Das Studium dort baut in der Regel auf einer abgeschlossenen Berufslehre im entsprechenden Fach auf. Rund 400 Studiengänge stehen zur Auswahl. Diese gehören alle zu einem der folgenden vom Bund reglementierten acht Bereiche:
- Technik
- Wirtschaft
- Gastgewerbe, Tourismus und Hauswirtschaft
- Land- und Forstwirtschaft
- Gesundheit
- Soziales und Erwachsenenbildung
- Künste, Gestaltung und Design
- Verkehr und Transport
Die Dauer der Lehrgänge liegt bei zwei bis vier Jahren und kann je nach Schule und Lehrgang in Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert werden. Bei einer Vollzeit-Ausbildung sind begleitende Praktika obligatorisch, um Erfahrungen zu sammeln. Wer berufsbegleitend studiert, arbeitet üblicherweise mit einem Pensum von 80 oder 90 Prozent weiter (mindestens aber mit einem Pensum von 50 Prozent) und besucht die Schule zu Randzeiten oder am Wochenende. Die gesamte Ausbildungsdauer umfasst zwischen 3600 und 5400 Lernstunden bis zum Diplom. Voraussetzung, um an einer HF Aufnahme zu finden, ist der erfolgreiche Lehrabschluss (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis, EFZ) im entsprechenden Bereich sowie teilweise bis zu zwei Jahre Berufserfahrung.

Marcel Egloff
beantwortet Fragen zum Studium an einer höheren Fachschule.
Wie gelange ich mit einer abgeschlossenen Berufslehre an eine höhere Fachschule?
Die Bildungsgänge an den höheren Fachschulen bauen in der Regel auf einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis auf. Die Voraussetzung für ein Studium an einer höheren Fachschule im Bereich Technik ist eine abgeschlossene, einschlägige Berufslehre.
Warum soll ich mich für ein HF-Studium entscheiden?
Ein HF-Studium ist sehr praxisorientiert und vermittelt den Studierenden Kompetenzen, die sie befähigen, in ihrem Bereich Fach- und Führungsverantwortung zu übernehmen.
Empfehlen Sie sofort nach der Lehre mit dem Studium zu starten oder zuerst einige Jahre Arbeitserfahrung zu sammeln?
Wir empfehlen den Studierenden nach der Lehre praktische Erfahrungen in ihrem Berufs-feld zu sammeln und dann mit dem Studium zu beginnen.
Welche Ausbildungsmodelle sind an höheren Fachschulen in der Schweiz üblich?
Die Bildungsgänge an höheren Fachschulen bauen in der Regel auf einschlägigen Eidgenössischen Fähigkeitszeugnissen auf. Das Studium kann, je nach Anbieter, als berufsbegleitende oder als Vollzeitvariante absolviert werden.
Das berufsbegleitende Studium dauert mindestens sechs Semester. Der Student oder die Studentin muss bei dieser Variante während dem Studium einer passenden beruflichen Tätigkeit von mindestens 50 Prozent nachgehen. Bei der Vollzeitvariante dauert das Studium mindestens vier Semester.
Sind die Abschlüsse gesamt-schweizerisch anerkannt?
Die Abschlüsse sind eidgenössisch anerkannt. So gibt es zum Beispiel bei uns den eigenössisch anerkannten Abschluss Techniker/in HF Elektrotechnik.
Was braucht es, um an einer HF erfolgreich studieren zu können?
Der Student oder die Studentin muss ein Interesse am Fachgebiet haben, mit der Mehrfachbelastung von Studium, Arbeit und Freizeit umgehen können, sich selbständig in neue Themengebiete einarbeiten können und in Teams zusammenarbeiten können.
Was sind die Hauptunterschiede zwischen höheren Fachschulen und Fachhochschulen?
Das Studium an der höheren Fachschule ist enger mit der Praxis verknüpft. Im Bereich der Technik beispielsweise arbeiten Absolventinnen und Absolventen der höheren Fachschulen eher im Bereich Engineering und die Absolvierenden von Fachhochschulen eher in der Entwicklung und der angewandten Forschung.
Beim Studium an einer Fachhochschule werden die theoretischen Grundlagen ausführlicher und intensiver behandelt als an einer höheren Fachschule.
Mit welchen Kosten muss man bei einem HF-Studium etwa rechnen?
Das ist nach Fachbereich sehr unterschiedlich. Die HF-Studiengänge werden je nach Bereich unterschiedlich vom Staat unterstützt. Bei uns am ZbW betragen im Bereich Technik und Wirtschaft die Semestergebühren für das sechssemestrige berufsbegleitendes Studium 21870 Franken. Die Kosten an anderen Schulen im Bereich Technik und Wirtschaft sind ähnlich. Andere Bereiche wie beispielsweise Gesundheit und Landwirtschaft werden vom Bund stärker unterstützt und somit sind die Kurs-kosten für die Studierenden tiefer.
Können Sie etwas zu beruflichen Aufstiegschancen mit einem HF-Abschluss sagen?
Die Anforderungen an die Berufsleute in allen Bereichen steigen und werden nach meiner Meinung auch in den nächsten Jahren weiter steigen. Mit der höheren Berufsqualifi-kation sind für die HF-Absolventinnen und -Absolventen die beruflichen Aufstiegschancen markant besser als für Personen mit einem reinen Lehrabschluss.
Das HF-Studium ist zudem eine generalistische Ausbildung und ermöglicht es den Absolvierenden in verschiedenen Berufsfeldern einzusteigen.
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Marcel Egloff ist Bereichsleiter HF-Ausbildungen am Zentrum für berufliche Weiterbildung (ZbW) in St.Gallen. Er ist zudem Vorstandsmitglied der Konferenz HF Technik. Selbst hat er nach einer Berufslehre als Elektronikmechaniker ein Studium der Elektrotechnik an der NTB in Buchs (heute Teil Fachhochschule OST) absolviert.
Erschienen im Magazin "Primus – Lehrabschluss", Ausgabe Dezember 2020

Ornella Bernasconi
hat eine kaufmännische Ausbildung mit Berufsmatura abgeschlossen. Anschliessend arbeitete sie als Flugbegleiterin. Sie absolviert die Ausbildung zur dipl. Flugverkehrsleiterin HF bei skyguide.
Warum hast du dich für diesen Weg entschieden?
Nachdem ich während elf Jahren bei Swiss als Flugbegleiterin tätig gewesen war, brauchte ich eine neue Herausforderung. Ich suchte nach mehr Verantwortung und einem Job, der Schichtarbeit, Flexibilität und Abwechslung miteinander verbindet. Durch das stets neu zusammengestellte Team und das dynamische Arbeitsumfeld als Flugverkehrsleiterin sieht kein Tag wie der andere aus.
Wie sieht deine Ausbildung aus?
Die ganze Ausbildung dauert rund drei Jahre. Das erste halbe Jahr, das Basic Training, besteht vor allem aus Theorie, um die Grundlagen der Aviatik und der Flugsicherung zu erlernen. Im zweiten halben Jahr spezialisiert man sich auf ein Gebiet der Flugsicherung. Hier wird oft mit praktischen Simulationen trainiert. Anschliessend kommt man für rund fünf Monate ins sogenannte Unit Training. Hier lernt man alles Notwendige, um die Flugzeuge am zukünftigen Arbeitsort sicher und effizient durch die Lüfte zu lotsen. Während der ganzen Ausbildung gibt es durchgehend Theorieprüfungen und praktische Simulationstests. Wenn all dies bestanden ist, kommt man für rund ein Jahr ins On-the-Job--Training, wo man im Live-Traffic als Fluglotse gemeinsam mit einer Instruktorin oder einem Instruktor arbeitet.
Was gefällt dir besonders?
Ich mag die Abwechslung und die Herausforderungen, die diese Ausbildung und auch später die Arbeit mit sich bringen. Kein Tag ist wie der andere!
Was möchtest du nach dem Abschluss machen?
Lizenzierten Flugverkehrsleiterinnen und Flugverkehrsleitern wird ein Arbeitsplatz an einem der 14 Standorte von skyguide garantiert. Falls ich die Ausbildung bestehen sollte, werde ich also voller Stolz und Freude auf diesem Beruf in Zürich weiterarbeiten.

Christoph Bachofner
hat nach einer Lehre als Konstrukteur am Zentrum für berufliche Weiterbildung (ZBW) in St.Gallen ein Studium zum Dipl. Techniker HF Maschinenbau abgeschlossen.
Nach meiner Lehre und der Militärzeit suchte ich einen geeigneten Job als Konstrukteur. Während der Suche und nach einigen Gesprächen kam bei mir der Gedanke auf, dass eine Weiterbildung sinnvoll wäre. Da habe ich mich für die Ausbildung zum Techniker HF in Maschinenbau entschlossen. So erhoffte ich mir, einen sehr guten Einstieg in neue Arbeitsmärkte zu finden.
Wie sah dein Studium aus?
Da in der Arbeitswelt niemand interessiert war, ein tiefes Arbeitspensum zu akzeptieren, damit ich Teilzeit studieren konnte, habe ich mich für ein Vollzeitstudium am ZBW entschieden. Das Studium fand im Klassenrahmen statt – meine Klasse umfasste rund 20 Studierende.
Neben dem Erlernen theoretischer Grundlagen, konnten wir auch immer wieder in Projekten praktisch arbeiten und das Gelernte anwenden. Das Studium dauerte vier Semester. Abgeschlossen wird mit einer Diplomprüfung und einer Diplomarbeit.
Was gefiel dir besonders?
Ich empfand das Vollzeitstudim als intensiv – ich konnte stark davon profitieren und lernte jeden Tag Neues. Als nützlich empfand ich vor allem jene Fächer, die ich während der Lehre gar nicht hatte, die heute im Arbeitsmarkt aber wichtig sind.
Welchen beruflichen Nutzen siehst du in deinem HF-Studium?
Dank dem Studium habe ich eine attraktive Stelle gefunden und kann das Gelernte dort täglich anwenden.

Tabea Maurer
hat nach der Matura als Klassenassistentin in einer Primarschule gearbeitet. Sie studiert an der HFGS in Aarau.
Mit der Matura hätte ich auch eine Universität oder allenfalls eine Fachhochschule besuchen können, doch wusste ich über meine Möglichkeiten diesbezüglich zu wenig Bescheid. Zudem überwogen zur Zeit meiner Entscheidung die Vorteile der HF. Die «Höhere Fachschule Gesundheit und Soziales (HFGS)» befindet sich in Aarau, und ich kann problemlos mit dem Fahrrad dorthin fahren. Ausserdem habe ich während der gesamten Ausbildung einen Lehrlingslohn. Ich besuche die Fachrichtung Pflege. Mir war es wichtig, dass ich später darauf aufbauen kann, und die HF ist ein gutes Sprungbrett.
Wie sieht dein Studium aus?
Das Studium ist in sechs Semester gegliedert. Davon sind drei Semester Theorie an der HF und drei Semester Praktika ausserhalb, die sich immer abwechseln. Wir haben aber natürlich auch an der Schule immer wieder praktische Einheiten. Dabei können wir uns gewisse Fertigkeiten, beispielsweise die Blutabnahme, aneignen.
An der HF haben wir üblicherweise Präsenzunterricht im Klassenrahmen – bis auf einzelne Themen, die wir im Selbststudium erarbeiten können. Ich sage üblicherweise, weil es im Moment mit Corona anders ist. Die Prüfungen sind zum Glück auf das ganze Semester verteilt und nicht alle am Semesterende.
Je nach Erwartungen, die man an sich selber stellt, nimmt das Selbststudium und die Prüfungsvorbereitung recht viel Zeit ein. Bei mir ist das jedenfalls so, ich bin aber auch eher ehrgeizig. Am Schluss, wenn ich alles bestehe, bin ich Diplomierte Pflegefachfrau HF.
Was gefällt dir besonders?
Ich bin ein grosser Fan der menschlichen Anatomie. Hierzu gibt es viele Themen, die wir im Selbststudium erarbeiten durften, und danach konnten wir im Präsenzunterricht Fragen dazu klären. Wir taten dies im Rahmen der Unterrichtsform «Flipped Classroom», bei Interesse einfach googeln. Mir persönlich sagt dies sehr zu.
Was möchtest du nach dem Abschluss machen?
Als erstes möchte ich arbeiten und mehr Erfahrung sammeln. Ich möchte mich aber auf jeden Fall laufend fortbilden und auch ein Nachdiplomstudium absolvieren. Und wer weiss, vielleicht unterrichte ich selber einmal an einer HF. Ich könnte es mir auf jeden Fall vorstellen. Egal wie es kommt, ich finde es wichtig, dass man das Lernen nicht aufgibt und sich laufend fortbildet und dadurch weiterentwickelt.

Kevin Fehr
hat eine Lehre als Polymechaniker absolviert und anschliessend eine Weiterbildung zum Dipl. Techniker HF Maschinenbau an der Schweizer Schule für Technik und Management (IBZ) abgeschlossen.
Nach meiner Lehre war ich für einige Zeit im Militär. Als ich als Polymechaniker in die Privatwirtschaft zurückwechselte, war mir klar, dass ich mich weiterbilden möchte, damit ich beruflich mehr Möglichkeiten habe und auch Verantwortung übernehmen kann.
Was hat dir besonders gefallen?
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit den Dozenten gemacht. Alle unsere Dozenten waren berufstätig und haben nebenbei an der Höheren Fachschule unterrichtet. Dies hat zu einem sehr praxisnahem Unterricht geführt.
Wie lief dein Studium ab?
Ich habe mich dazu entschieden, die Weiterbildung komplett nebenberuflich zu machen. Das heisst, ich hatte grundsätzlich jeden Samstag von 8.00 bis 17.00 Uhr Unterricht. Zusätzlich jeden zweiten Freitag von 17.15 bis 21.15 Uhr. Das ganze Studium hat so sieben Semester gedauert. Neben dem Unterricht hatten wir auch diverse Workshops, in welchen wir intensiv praktisch arbeiten konnten. Während den Semestern hatten wir pro Fach mindestens drei Prüfungen. Am Ende des Semesters gab es jeweils eine grosse Semesterendprüfung mit dem gesamten Lernstoff. Zuletzt hatten wir dann Diplomprüfungen in den Hauptfächern, und wir durften eine Diplomarbeit schreiben und diese präsentieren.
Was machst du jetzt?
Noch während meinem HF-Studium hatte ich die Möglichkeit die Firma und den Beruf zu wechseln. Im dritten Semester bin ich von Polymechaniker auf Konstrukteur umgestiegen. Jetzt arbeite ich in einer grossen, global tätigen Firma in der Entwicklung von Lenksystemen für Autos.
Was bringt dir dein Studium in deinem aktuellen Beruf?
In erster Linie hat mir das Studium die Türen geöffnet für einen Beruf in der Entwicklung. Während des Studiums haben wir ein sehr gutes technisches Fundament aufgebaut. Dieses ermöglicht mir konkret meine Aufgaben in der Konstruktion und Entwicklung selbstständig auszuführen.
www.berufsberatung.ch
Top-Seite mit allem rund um Aus- und Weiterbildung
www.k-hf.ch
Verband der höheren Fachschulen
www.odec.ch
Verband der HF-Absolventen
www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/bildung/hbb.html
Seite des Bundes zum Thema «höhere Berufsbildung»
www.berufsbildungplus.ch
Informative Seite vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation