Mittelschulen nach der Oberstufe

In der Schweiz gibt es die Möglichkeit, nach der obligatorischen Schulzeit an eine Mittelschule zu wechseln, die – je nach Schultyp – neben der Lehre oder in Vollzeit absolviert werden kann. Möchte man später eine Universität oder eine Fachhochschule besuchen, so muss man zuerst eine Mittelschule beendet haben. Eine Matura oder eine Berufsmatura kann aber auch nach einer Lehre noch erlangt werden. Zumeist muss für den Zugang zu den verschiedenen Mittelschulen eine Prüfung absolviert werden. 

 

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Gymnasium/Kantonsschule («Kanti»)

Zusammengefasst:

  • 4 – 6 Jahre
  • Direkter Zugang an Universitäten und Pädagogische Hochschulen
  • Abschluss: «Matura»
  • Allgemeinbildung mit der Möglichkeit bestimmte Schwerpunkte zu setzen
  • Frauen­anteil: rund 60%
  • ca. 19000 Abschlüsse pro Jahr
  • rund 20% der Jugendlichen absolvieren diesen Weg

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Etwas mehr als 20 Prozent der Jugendlichen besuchen eines der knapp 200 Gymnasien in der Schweiz – in vielen Kantonen wird diese Mittelschule auch «Kantonsschule», kurz «Kanti» genannt. Die Schülerinnen und Schüler schliessen ihre Ausbildung nach vier (Kurzgymnasium nach der 8. oder 9. Klasse) bis sechs Jahren (Langgymnasium nach der 6. Klasse) mit der Matura ab. Der Eintritt ins (Unter-)Gymi erfolgt in einigen Kantonen nach sechs Jahren Primarschule, in anderen erst nach zwei oder drei absolvierten Jahren Sekundarschule.

Gymnasien gibt es in jedem Kanton. Gymnasien vermitteln ein breites Allgemeinwissen und bereiten Absolventinnen und Absolventen auf alle möglichen Studiengänge, hauptsächlich an den Universitäten, vor. Die Schülerinnen und Schüler wählen für ihre Zeit am Gymnasium neben den allgemeinen Fächern ein Schwerpunkt- und ein Ergänzungsfach und vertiefen ihre Kenntnisse dort. Das Angebot an Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern ist unterschiedlich; grundsätzlich hat man bei den Schwerpunktfächern die Wahl zwischen Physik und Anwendungen der Mathematik, Biologie und Chemie, Französisch, Griechisch, Italienisch, Latein, Russisch, Spanisch, Wirtschaft und Recht, Bildnerisches Gestalten, Musik, Psychologie/Pädagogik/Philosophie.  An vielen Gymnasien ist zweisprachiger Unterricht möglich. Das heisst, dass zum Beispiel Chemie in Englisch unterrichtet wird. Zudem bieten zahlreiche Gymnasien Möglichkeiten, um  bestimmte Talente, beispielsweise im Sport oder in der Musik, zu fördern.

Neben den unzähligen vom Kanton unterhaltenen «Kantis» gibt es zahlreiche private Gymnasien. Diese ergänzen das öffentliche Angebot und sind sehr vielfältig (zum Beispiel konfessionelle Schulen, englischsprachige/bilinguale Schulen, internationale Abschlüsse, Begabtenförderung, mit Internat, weltanschaulich geprägte Pädagogik wie Rudolf-Steiner-Schulen u. a.). Sie gehen gezielter auf besondere Bedürfnisse und Begabungen ein und vermögen individueller zu fördern, die Kosten sind aber höher als bei öffentlichen Schulen. 

Abgeschlossen wird das Gymnasium mit der Matura. Um überhaupt zu dieser Prüfung zugelassen zu werden, ist in den meisten Kantonen das Verfassen einer Maturaarbeit im letzten Schuljahr an der Mittelschule nötig. 2020 wurden in der Schweiz 19098 Maturitätszeugnisse ausgestellt. Der Frauenanteil ist seit 1993/1994 grösser als der Männeranteil und lag 2020 bei 58 Prozent. Nach Bestehen der Maturaprüfung können die Absolventinnen und Absolventen prüfungsfrei an eine Universität oder Pädagogische Hochschule wechseln. Für das Studium an einer Fachhochschule sind oftmals zusätzliche Anforderungen zu erfüllen – zumeist in der Form eines praktischen Arbeitsnachweises.

Aber nicht jede Maturandin und jeder Maturand endet nach der «Kanti» an einer Hochschule. Der Eintritt ins Berufs­leben ist mit einer Matura problemlos möglich. So kann man eine verkürzte Lehre in vielen Berufen absolvieren. Meistens können die Maturanden und Maturandinnen gleich im zweiten Lehrjahr einsteigen und werden von einzelnen Fächern an der Berufsschule dispensiert, da sie diese Themen bereits in der «Kanti» vertieft behandelt haben. Auch Banken und Versicherungen bieten nach der Mittelschule spezielle Ausbildungsprogramme für den Einstieg in die Arbeitswelt an. Grundsätzlich kann man hier «Berufseinstieg» und «Matura» googeln und findet rasch unzählige Möglichkeiten. Mit einer Matura kann man aber auch eine Ausbildung bei der Polizei oder beim Zoll antreten, sich bei den hiesigen Fluggesellschaften zum Piloten oder bei Skyguide – der Schweizer Flugsicherung – zum Flugverkehrsleiter ausbilden lassen oder Lokführerin werden – um nur einige Wege aufzuzählen.

Gute Links hierzu u.a.: 
• gymipruefung.ch (Angebot des Kantons Zürich),
• maturanavigator.ch (Angebot des Kantons St.Gallen)

Expertinneninterview

Prof. Judith Mark

mag. oec. HSG, ist seit 2013 Rektorin der Kantonsschule Heerbrugg. 


Frau Mark, für wen ist die Ausbildung am Gymnasium geeignet? 

Das Gymnasium eignet sich für gute Schülerinnen und Schüler, die den Stoff der vorangehenden Schule beherrschen, ein gutes Gedächtnis haben und auch abstrakte Aufgaben erfolgreich lösen. 

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man ein Gymnasium besuchen möchte? 
Eine wichtige Voraussetzung ist in jedem Fall Neugier und Freude am Lernen sowie Selbständigkeit. Vielseitig interessierte Schülerinnen und Schüler sind im Gymnasium am richtigen Ort.

Welches sind die grössten Unterschiede zur schulischen Ausbildung in Lehre, Berufsmittelschule oder Fachmittelschule? 
Sowohl am Gymnasium wie auch an der Fachmittelschule wird eine breite und vertiefte Allgemeinbildung vermittelt. Dadurch unterscheiden sie sich von der Berufslehre. Nur das Gymnasium erlaubt gleichzeitig eine Beschäftigung mit einem so breiten Fächerangebot und ebnet den direkten Weg zu einem wissenschaftlichen Studium gleich welcher Richtung. 
Die Fachmittelschule bereitet auf Ausbildungen an höheren Fachschulen, Fachhochschulen oder Pädagogischen Hochschulen vor.

Gibt es in der ganzen Schweiz Gymnasien? 
In jedem Schweizer Kanton gibt es mindestens ein Gymnasium, insgesamt sind es mehr als 150 Institutionen, die auf den prüfungsfreien Eintritt in eine Universität vorbereiten.

Ist man bei der Wahl der Schule frei? 
In vielen Kantonen besteht die freie Wahl der Schule innerhalb des Kantons, es ist aber auch möglich, dass Umteilungen vorgenommen werden.

Inwiefern können Fächer frei gewählt werden?
Bei gut 20 Prozent der Unterrichtszeit besteht Wahlmöglichkeit. Zudem bieten die meisten Gymnasien sehr attraktive Freifächer an.

Welche Fähigkeiten werden am Gymnasium erworben? 
Das Gymnasium fördert die geistige Offenheit und die Fähigkeit zum selbständigen Urteilen. Damit sind Absolventinnen und Absolventen in der Lage, ein Unistudium erfolgreich zu absolvieren und anspruchsvolle Tätigkeiten in der Gesellschaft zu übernehmen.

Kolleginnen oder Kollegen in der Lehre bekommen einen Lohn. Wie kommen Gymnasiasten zu Sackgeld? 
Ein grosser Teil der Gymnasiasten verdient sich in der Freizeit mit einer Nebenbeschäftigung Sackgeld. Oft erteilen sie Nachhilfeunterricht, betreuen Kleinkinder oder arbeiten zum Beispiel im Service oder Verkauf.

Kann man mit der Matura direkt ins Berufsleben starten oder muss man nach dem Gymnasium zwingend ein Studium beginnen? 
Die überwiegende Mehrheit der Absolventinnen und Absolventen beginnt nach der Matura ein Studium. Verschiedene Grossunternehmen bieten aber auch interessante Praktika an, über die der Einstieg ins Berufsleben möglich ist.


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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021

Kurzinterview

Cedric Borruat

war zur Zeit des Interviews im zweiten Jahr am Gymnasium Neufeld in Bern. 


Cedric, warum hast du dich fürs Gymnasium entschieden? 
Ich wusste in der 8. Klasse noch nicht genau, welche Richtung ich beruflich einschlagen möchte. Es gab keine Lehre, die mir zugesagt hätte, und so habe ich mich schliesslich fürs Gymnasium entschieden. Auf diese Weise konnte ich mir noch alle Möglichkeiten offenhalten und hatte noch etwas Zeit, herauszufinden, was mich interessiert.

Wie sieht deine Ausbildung am Gymnasium aus? 
Die gymnasiale Ausbildung dauert vier Jahre. Man kann selbst ein Schwerpunktfach wählen, diese sind aber nicht immer überall gleich. Dazu gehören beispielsweise Wirtschaft und Recht, Spanisch, Italienisch oder Chemie und Biologie. Zudem haben alle die gleichen Grundlagenfächer wie Mathematik, Deutsch, Französisch oder Englisch. Die Ausbildung ist rein schulisch und wird am Ende mit der Matura, einer grossen Prüfung, abgeschlossen.

Welche Wege stehen dir mit der Matura offen?
Man kann prüfungsfrei an alle Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Zudem hat man auch die Möglichkeit, eine verkürzte Lehre oder ein berufsbefähigendes Praktikum bei einer Bank oder Versicherung zu absolvieren. Mit Berufserfahrung kann man auch ein Fachhochschulstudium in Angriff nehmen. Und bei vielen Institutionen und Zweitausbildungen wird die Matura wie ein Lehrabschluss betrachtet, beispielsweise, wenn man Polizist, Lokführer oder Pilot werden möchte. 

Was gefällt dir am Gymnasium besonders? 
Mir gefällt, dass ich die Möglichkeit habe, mir in unterschiedlichen Bereichen Wissen anzueignen und dass ich immer noch in einer festen Klasse bin und somit den Kontakt mit Gleichaltrigen habe.

Was möchtest du nach der Matura machen?
Das weiss ich noch nicht so genau. Die Themengebiete Politikwissenschaften und Journalismus interessieren mich aber sehr.

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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021

Fachmittelschule (FMS)

Zusammengefasst:

  • 3 oder 4 Jahre
  • Allgemeinbildung mit Schwerpunktsetzung
  • Zugang je nach Richtung an Pädagogische Hochschulen oder bestimmte Fachhochschulen oder an Höhere Fachschulen
  • Abschluss: Fachmittelschulausweis oder Fachmaturität
  • Frauenanteil: rund 75 %
  • ca. 8000 Abschlüsse pro Jahr 

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Fachmittelschulen bilden an rund 60 Standorten in der Schweiz ihre Schülerinnen und Schüler in den allgemeinbildenden Fächern aus und bereiten diese angemessen auf ein nicht-universitäres Studium vor – also auf ein Studium an einer Höheren Fachschule, an bestimmten Fachhochschulen, an Pädagogischen Hochschulen oder an Hochschulen im Tourismusbereich. Im Gegensatz zur «Kanti» erfolgt der Eintritt in die FMS erst nach den obligatorischen neun Schuljahren. Fachmittelschulen bieten bei der Ausbildung Schwerpunkte an. Dazu gehören – je nach Kanton leicht variierend – Gesundheit/Naturwissenschaften, Pädagogik, Kommunikation/Medien, Soziales, Gestaltung/Kunst und Musik/Theater/Tanz. Nach dreijähriger Ausbildungszeit erlangen die Absolventinnen und Absolventen einen Fachmittelschulausweis. Der Zugang zu Höheren Fachschulen ist nun offen.

Danach kann in einem optionalen zusätzlichen Jahr die Fachmaturität erworben werden. Diese gewährt – je nach Richtung – den Zugang zu Fachhochschulen (nicht zu verwechseln mit Höheren Fachschulen) und Pädagogischen Hochschulen. Dabei hängen die Absolventinnen und Absolventen ein zusätzliches, praxis­orientiertes Jahr an und schliessen mit einer Fach­maturitätsarbeit ab. 

2020 haben in der Schweiz genau 4725 Schülerinnen und Schüler einen Fachmittelschulausweis erlangt. 3464 davon waren junge Frauen, 1261 junge Männer. 
3168 Schülerinnen und Schüler haben 2020 das vierte FMS-Jahr angehängt und erfolgreich mit dem Fachmaturitätszeugnis abgeschlossen. Hier waren es 745 Männer und 2423 Frauen. Besonders in der Westschweiz ist dieser Bildungsweg beliebt: Die Hälfte aller Fachmaturitätszeugnisse wurde in den Kantonen Genf, Waadt, Jura, Neuenburg und Freiburg erworben. 
Beliebteste Richtungen sind mit Abstand «Soziale ­Arbeit/Pädagogik» und «Gesundheit». 

Seit 2017 können auch die Inhaberinnen und Inhaber einer Fachmaturität nach erfolgreichem Absolvieren einer Ergänzungsprüfung («Passerelle») an einer universitären Hochschule studieren. Zudem ist mit der Fachmaturität auch der Eintritt ins dritte ­Semester (von sieben) der Maturitätsschulen für Erwachsene möglich, also ein schnellerer Zugang zur Matura auf dem zweiten Bildungsweg.

Guter Link dazu: 
• www.fms-ecg.ch

Kurzinterview

Noemi Gut

absolvierte zum Zeitpunkt dieses Interviews die Fachmittelschule (FMS) in Bern und war im ersten Jahr. 


Noemi, warum hast du dich für die FMS entschieden?
Ich wusste in der Oberstufe schon, dass ich später in einem gesundheitlichen Beruf arbeiten möchte, und ich bin auch immer gerne zur Schule gegangen. Als ich dann durch eine Freundin mehr über die FMS erfahren habe, schien mir dieser Weg am passendsten.

Wie sieht diese Ausbildung aus?
Die FMS dauert insgesamt vier Jahre und beinhaltet zwei Ausbildungsteile. Die ersten drei Jahre hat man allgemeinbildenden Unterricht, also neben Fächern wie Pädagogik und Psychologie beispielsweise auch Englisch, Biologie und Physik. Im Verlauf der ersten zwei Jahre absolviert man ausserdem acht Wochen Praktika. Nach drei Jahren erhält man den Fachmittelschulausweis, wobei dieser alleine noch nicht viel bringt. Erst im vierten Jahr spezialisiert man sich und erwirbt die Fachmaturität.

Welche Wege stehen dir mit der Fachmaturität offen?
Das hängt von der gewählten Richtung ab. Ich werde mich auf Gesundheit spezialisieren und somit nach der FMS Zugang zu allen gesundheitsverwandten Studiengängen wie Pflege, Hebamme oder Physiotherapie an den Fachhochschulen erhalten.

Was gefällt dir besonders?
Die vielseitigen Fächer und die Praxisbezogenheit durch die verschiedenen Praktika, die fester Bestandteil meiner Ausbildung sind.

Kannst du diesen Weg weiterempfehlen?
Für mich ist das genau der richtige Weg. Ich denke aber, dass es für den Gang an die FMS wichtig ist, in etwa zu wissen, was man später machen möchte. Natürlich muss man sich erst im dritten Jahr für eine Richtung entscheiden, aber man ist nach der FMS auf gewisse Berufsmöglichkeiten beschränkt und kann danach nicht ohne Umweg plötzlich etwas völlig anderes studieren. 

Was möchtest du nach der FMS machen?
Ich finde Spanisch eine wahnsinnig schöne Sprache und kann mir vorstellen nach der FMS einen Sprachaufenthalt in Guatemala zu machen. Danach möchte ich an einer Fachhochschule eine Ausbildung zur Hebamme machen. Ein grosser Wunsch wäre es auch, irgendwann für ein bis zwei Jahre im Ausland zu arbeiten.

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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021

Wirtschaftsmittelschule (WMS) und Informatikmittelschule (IMS)

Zusammengefasst:

  • 4 Jahre 
  • Verbindung kaufmännische Ausbildung mit Allgemeinbildung oder Informatikausbildung mit Allgemeinbildung 
  • Abschluss: Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis mit Berufsmatura
  • Zugang zu Fachhochschulen
  • Frauenanteil: rund 50%
  • ca. 2500 Abschlüsse pro Jahr 

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Die Wirtschaftsmittelschule (kurz WMS), auch Handelsmittelschule (HMS) genannt, ist eine kaufmännische Berufs- und Mittelschulausbildung – sie bildet zwei Abschlüsse mit einer Ausbildung an. Die WMS schliesst an die 3. Klasse der Sekundarschule an. Die Ausbildung dauert in der Regel vier Jahre, nach dem System 3+1. Üblicherweise kann nach drei Jahren Vollzeitausbildung und einem Praxisjahr ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Kaufmann/Kauffrau und ein Berufsmatura-Ausweis erworben werden. Man hat dann also einen berufsbefähigenden Abschluss und eine Berufsmatura, mit der man ein Studium an einer Fachhochschule aufnehmen kann. In einzelnen Kantonen und Schulen kann die Ausbildung schon nach drei Jahren mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Kaufmann/Kauffrau abgeschlossen werden. 
Auch an der WMS wird eine allgemeinbildende Ausbildung angestrebt, wobei der Schwerpunkt bei diesem Typ auf wirtschaftsspezifische Fächer gelegt wird.  Je nach Schule können an der WMS Schwerpunktrichtungen gewählt werden. Mögliche Schwerpunkte sind Sprachen (WMS-S) oder Informatik (WMS-I).

Ähnlich sieht der Aufbau der Informatikmittelschule (kurz IMS) aus. In diesem Ausbildungsgang wird der Fokus voll auf Informatik gelegt, und die Absolventen und Absolventinnen schliessen ihre Ausbildung mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis als Informatiker oder Informatikerin ab. Auch IMS-Absolvierende haben die Möglichkeit, ihre Ausbildung mit der Berufsmatura (Typ Wirtschaft) abzuschliessen. Bei der IMS sind je nach Schule ebenfalls verschiedene Schwerpunkte möglich – zum Beispiel Wirtschaft oder Technik.
Der Abschluss der WMS und IMS dient als ideale Vorbereitung für weiterführende Ausbildungen an Fachhochschulen und Höheren Fachschulen. Mit einem WMS- oder IMS-Abschluss kann aber auch direkt ins Berufsleben eingestiegen werden. In diesem Bereich gibt es rund 2500 Absolventinnen und Absolventen jährlich in der Schweiz. Der Frauen- und Männeranteil ist etwa gleich. 
Mit dem Abschluss der «Passerelle» im Anschluss an die WMS oder IMS ist auch ein Zugang zu den Schweizer Universitäten und Pädagogischen Hochschulen möglich. Auch bei der WMS und IMS ist ein Einstieg ins dritte Semester (von sieben) der Maturitätsschulen für Erwachsene möglich. 

Gute Links dazu:  
• wg.edubs.ch/schulprofil/wms 
• wg.edubs.ch/schulprofil/ims (Angebot des Kantons Basel Stadt)

Kurzinterview

Alycia Pereira

besuchte zum Zeitpunkt dieses Interviews die Wirtschaftsmittelschule (WMS) in Biel. Sie war im dritten Jahr.


Alycia, warum hast du dich für die WMS entschieden?

Ich bin immer gerne zur Schule gegangen und hatte zu dem Zeitpunkt, als ich eine Wahl treffen musste, noch keine Lust zu arbeiten. Allerdings wollte ich nicht ans Gymnasium und das Konzept der WMS hat mich sehr angesprochen.

Wie sieht die Ausbildung aus?
Die WMS dauert vier Jahre. Drei Jahre geht man in die Schule und ein Jahr lang macht man ein entlöhntes kaufmännisches Praktikum in einem Betrieb. Die Schulfächer sind nicht an jeder WMS gleich. In Biel zum Beispiel haben wir, anders als an der WMS in Bern, keinen Musik- und BG-Unterricht. Die WMS wird mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Kauffrau/Kaufmann und der Berufsmaturität mit dem Typ Wirtschaft abgeschlossen. 

Was gefällt dir an der WMS besonders? 
Mir gefällt die Mischung aus Theorie und Praxis. Und die Möglichkeiten, die mir nach dem Abschluss offenstehen. Ich habe die Option als Kauffrau zu arbeiten und Geld zu verdienen oder kann an eine Fachhochschule gehen und dort einen wirtschaftsverwandten Studiengang wie beispielsweise Wirtschaftsinformatik oder Betriebsökonomie studieren. 

Kannst du die WMS weiterempfehlen?
Ich bereue es nicht, die WMS gewählt zu haben. Ich kann diesen Weg all jenen empfehlen, die sich fürs KV interessieren und gerne weiterhin zur Schule gehen, aber nicht wissen, ob sie danach studieren möchten. Ein Interesse an Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, aber auch Freude an Sprachen ist wichtig.

Was möchtest du nach der WMS machen?
Momentan habe ich vor, nach der WMS und der Berufsmatura die Passerelle* zu absolvieren, um ein Universitätsstudium in Angriff nehmen zu können. Ich möchte Jura studieren. Da ich aber erst ab August 2021 mein einjähriges Praktikum in einem Betrieb mache und noch nicht weiss, wie sehr mir die praktische Arbeit gefällt, kann sich dieser Plan auch noch ändern.


* Die sogenannte «Passerelle» heisst komplett «Ergänzungsprüfung Passerelle Berufsmaturität/Fachmaturität – universitäre Hochschulen» und ist eine Prüfung, die Berufs- und Fachmaturanden und -maturandinnen den Zugang zu Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz ermöglicht.

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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021

Berufsmaturitätsschule (BMS)

Zusammengefasst:

  • Neben der Lehre 3 oder 4 Jahre; nach der Lehre 1 Jahr
  • Abschluss: «Berufsmatura»
  • Zugang zu Fachhochschulen
  • Allgemeinbildung mit starker Schwerpunktsetzung 
  • Frauen­anteil: 47%
  • rund 14500 Abschlüsse pro Jahr

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Die Berufsmaturität ist vor allem für gute Sekundarschülerinnen und -schüler gedacht, die eine Berufslehre absolvieren, aber nicht auf die Möglichkeit verzichten möchten, später einmal eine Fachhochschule zu besuchen. Absolviert man nach der BMS noch die «Passerelle» – die Vorbereitung darauf dauert meist ein Jahr – ermöglicht dies den Zutritt zu den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz. Gemäss Bundesamt für Statistik bieten in der Schweiz aktuell rund 180 Bildungseinrichtungen die Berufsmaturität an. Auch die BMS ermöglicht es übrigens, wie die FMS oder die WMS, die gymnasiale Matura auf dem zweiten Bildungsweg relativ schnell zu erhalten. Man kann nämlich auch hier im dritten Semester von insgesamt sieben in eine der Maturitätsschulen für Erwachsene einsteigen. Man bekommt so Zugang zu Universitäten in der Schweiz und im Ausland – im Gegensatz zur «Passerelle», die nur in der Schweiz anerkannt ist.

Die BMS kann entweder parallel zur Lehre absolviert werden, indem man einen zusätzlichen Tag pro Woche die Schulbank drückt (BM1), oder nach der Lehre in einem Vollzeit-Schuljahr (BM2). Dabei kann man die BMS sowohl bei dreijährigen als auch bei vierjährigen Lehren absolvieren. Die wöchentliche Unterrichtszeit kann bei dreijährigen Lehren allerdings höher sein. Auch an der Berufsmaturitätsschule werden verschiedene Spezialisierungsrichtungen ange­boten. So können Absolventinnen und Absolventen ­zwischen der technischen, der wirtschaftlichen, der gestalterischen, der gewerblichen, der naturwissenschaftlichen oder der gesundheitlich-sozialen Berufsmaturität wählen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Schule und Kanton teilweise leicht – darum führen wir hier als Beispiel die Namen der sechs verschiedenen Richtungen auf, welche der Kanton St.Gallen auf seiner Website verwendet:

  • Technik, Architektur, Life Sciences (TALS)
  • Wirtschaft und Dienstleistungen, Typ Wirtschaft (WD-W)
  • Wirtschaft und Dienstleistungen, Typ Dienst­leistungen (WD-D)
  • Gestaltung und Kunst (ARTE)
  • Gesundheit und Soziales (GESO)
  • Natur, Landschaft und Lebensmittel (NLL)

Anzumerken ist hier, dass Wirtschaft und Dienstleitungen oft nur als ein Fachgebiet aufgeführt werden.

Absolviert man die Berufsmaturität parallel zur Lehre, besucht man im Normalfall die zur beruflichen Grundbildung passende BMS. Allen BMS-Klassen gemeinsam sind vier Grundlagenfächer (erste und zweite Landessprache, dritte Sprache, Mathematik), die Schwerpunktfächer der BMS-Richtung und zwei dazu passende Ergänzungsfächer (aus Geschichte und Politik, Technik und Umwelt, Wirtschaft und Recht).

2020 absolvierten 14418 Schülerinnen und Schüler eine Berufsmatura. Davon waren 7703 Männer und 6715 Frauen. Der Männeranteil liegt bei der BMS bei rund 53 Prozent. 

Guter Link dazu: 
• berufsmaturität.ch

Kurzinterview

Jeanne Kolly

absolvierte zum Zeitpunkt dieses Interviews neben einer kaufmännischen Lehre die Berufsmatura (BMS). Sie war im ersten Lehrjahr.


Jeanne, warum hast du dich für die BMS entschieden?

Es ist grundsätzlich nie verkehrt die Berufsmatura zu machen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Es stehen einem danach einfach mehr Wege offen. Und da ich die Noten dazu hatte, habe ich mich entschieden die BMS begleitend zu meiner KV Lehre zu absolvieren.

Wie sieht deine Ausbildung aus? 
Die BMS dauert drei Jahre, genauso lange wie auch meine Lehre. Ich gehe an zwei Tagen pro Woche zur Schule und bei Bestehen der Berufsmaturitätsprüfungen am Ende des letzten Jahres werde ich die Berufsmaturität Typ Wirtschaft erhalten. An die BMS kommt man wie bei allen Mittelschulen mit Empfehlung oder einer Aufnahmeprüfung.

Welche Wege stehen dir mit der BMS offen?
Da ich mit der BM Typ Wirtschaft abschliessen werde, erhalte ich damit prüfungsfreien Zugang zu wirtschaftsverwandten Studiengängen an den Fachhochschulen. Wenn ich lieber an einer Uni studieren möchte, habe ich die Möglichkeit nach der BMS die Passerelle* zu absolvieren, welche üblicherweise ein Jahr dauert.

Kannst du diesen Weg weiterempfehlen?
Ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Ich empfehle diesen Weg all jenen, die sich sowieso schon für eine Lehre entschieden haben, bisher gute Noten in der Schule hatten und motiviert sind, noch etwas länger zur Schule zu gehen.

Was möchtest du nach bestandener Lehre und mit der Berufsmatura machen?
Ich würde gerne einen halbjährigen Sprachaufenthalt in England absolvieren und anschliessend nochmals sechs Monate in Frankreich oder der Romandie verbringen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Danach möchte ich als Kauffrau arbeiten und Geld verdienen. Zurzeit interessiere ich mich aber auch sehr für den Beruf Katechetin, und ich kann mir vorstellen, irgendwann vielleicht eine entsprechende Weiterbildung in Angriff zu nehmen.


* Die sogenannte «Passerelle» heisst komplett «Ergänzungsprüfung Passerelle Berufsmaturität/Fachmaturität – universitäre Hochschulen» und ist eine Prüfung, die Berufs- und Fachmaturanden und -maturandinnen den Zugang zu Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz ermöglicht.

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Erschienen im Magazin «Primus – Oberstufe», Ausgabe 2021